Sonia Petignat-Keller, Agroscope

Gin-Aromarad

BAR NEWS wollte von Sonia Petignat-Keller mehr über das neue Gin-Aromarad erfahren. Als langjährige Leiterin der Forschungsgruppe Produktequalität und -innovation bei Agroscope konnte sie die rasante Entwicklung des hiesigen Gin-Marktes aus einer besonderen Perspektive verfolgen.
Sonia Petignat-Keller, Leiterin Forschungsgruppe Produktequalität und -innovation Agroscope

Interview: Ruedi Zotter

Hätten Sie sich vor 15 Jahren vorstellen können, dass in der Schweiz Gin produziert wird?
Sonia Petignat-Keller: Mit der Vielfalt an einheimischen, wildwachsenden Botanicals ist es eigentlich erstaunlich, dass Schweizer Gin erst jetzt IN ist. Die neuen Produkte sind ganz klar eine Bereicherung des Schweizer Spirituosenmarktes. Ich bin stolz auf die kreative Branche – klein aber oho! Und ich kann mir vorstellen, dass die Schweizer Brenner, obwohl mit Tradition verbunden, immer wieder flexibel und innovativ auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren werden. Dies haben sie unter anderem erneut im letzten Frühling bewiesen, als innert Kürze auf die Knappheit an Desinfektionsmitteln im Lande reagiert wurde!

Wie sehen Sie die generelle Entwicklung des schweizerischen Gin-Marktes?
Gin wurde vor vier Jahren bei der nationalen Spirituosenprämierung DistiSuisse als Newcomer-Kategorie mit 13 Proben etabliert. Zwei Jahre später waren es bereits 61 Proben – gleich viele wie in der Kategorie Kirsch. Um einen Gin herzustellen, braucht es weniger fachliches Know-how als bei einem guten Fruchtbrand. Dies eröffnet auch Produzenten mit noch wenig Erfahrung die Möglichkeit, qualitativ hochstehende Produkte herzustellen.

Wie beurteilen Sie die Qualität der Schweizer Produkte in diesem Segment?
Die hiesigen Produkte müssen keineswegs den Vergleich mit den etablierten ausländischen Erzeugnissen scheuen. Mit dem Fokus auf Qualität statt Quantität werden hierzulande hervorragende Destillate produziert – und dies nicht nur im Gin-Sektor!

Gin-Aromarad

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Wie muss für Sie ein Gin sein bzw. schmecken?
Klar im Wacholderaroma und ausgewogen im Zusammenspiel mit anderen Botanicals, echt schweizerisch, aber alles andere als zurückhaltend, eben «un-gin-iert»!

Was war die Motivation, ein Gin-Aromarad zu entwickeln?
Via die Plattform DARF (Destillate Agroscope Régie fédérale des alcools) kann die Branche und interessierte Kreise Projektideen einreichen, welche dann jährlich priorisiert und umgesetzt werden. Das Aromarad für Gin ging auf eine solche Anfrage im Jahr 2018 zurück. Betreffend Aromarädern sind weitere Anfragen offen wie zum Beispiel Grappa und Aprikosen.

Für wen ist es geeignet und wie kann es benutzt werden?
Das gemeinsame Vokabular soll das Degustieren und Beschreiben erleichtern. Ein systematisches Vorgehen mit objektiven Kriterien erhöht die Genauigkeit der sensorischen Beschreibung und steigert die Kompetenz des Degustierenden. Aromaräder werden bei uns vor allem von Brennereien und landwirtschaftlichen Zentren als Unterlagen zu Sensorik-Kursen bestellt.

Dieser Artikel erschien in
Ausgabe 1-2021

BAR NEWS-Magazin als Einzelausgabe

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