Internationalisierung Rebels 0.0 %

Wirtschaftstalk mit Janick Planzer

Janick Planzer kann auf eine langjährige Karriere in der Spirituosenbranche zurückblicken. Zuerst war er im Sales und Marketing bei Diageo, dem weltgrössten Spirituosenkonzern, tätig. Danach wechselte er als Senior Brand Manager zu Dettling & Marmot AG nach Dietlikon, wo er fast fünf Jahre tätig war. Seit Mai 2022 hat er sich als Co-Founder von REBELS 0.0% selbstständig gemacht (die Firma wurde im Sommer 2020 gegründet) und betreut jetzt zusammen mit Christof Tremp und einem kleinen Team das Start-up.

BAR NEWS: Was ist Rebels 0.0% genau?
Janick Planzer: Das sind Spirituosenalternativen, die dem Konsumenten ermöglichen Cocktails zu konsumieren ohne Alkohol. Der Alkoholverkauf ist sowohl in der Schweiz als auch weltweit zurückgegangen. Das liegt an der jüngeren Generation. Man geht davon aus, dass Millennials 20 Prozent weniger Alkohol trinken als vorherige Generationen. Das heisst aber nicht, dass in Zukunft gar kein Alkohol mehr getrunken wird. Gemäss einer Studie aus England gaben zirka 60 Prozent der Befragten an, dass sie ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen.

Was ich auch immer mehr bei uns beobachte sind junge Menschen, die keinen Alkohol trinken, sich aber immer erklären müssen, warum sie das nicht tun. Früher bestellte man sich eine Coca-Cola und es wurde immer gefragt, weshalb man keinen Alkohol trinke.

Heute gibt es mit den Mocktails die perfekte Alternative, sodass man sich nicht mehr erklären muss. Aus diesem Grund sind wir auch auf den Namen Rebels gekommen. Es geht nicht darum, den Menschen das Trinken zu verbieten, sondern zu vermitteln, wenn du keinen Alkohol trinken willst, dann hast du Alternativen.

Welche Produkte gibt’s bis heute?
Angefangen haben wir mit drei klassischen Varianten: Gin-Alternative, Aperitif-Alternative und Rum-Alternative. Anfang August kamen zwei neue Produkte auf den Markt, und zwar: Rebels 0.0% Spritz-Alternative mit Bitter Orange und süssem Rhabarber sowie Rebels 0.0% Amaretto-Alternative. Für die beiden Alternativen haben wir uns entschieden, weil der Aperol Spritz sowie Amaretto Sour zu den meistbestellten Cocktails in der Schweiz zählen.

Wie geniesst man Rebels? Können die Produkte auch pur genossen werden? Was empfehlen Sie?
Gemixt. Pur kann man es trinken, aber es ist nicht wahnsinnig spannend.

Wo wird Rebels produziert?
In Conthey, im Wallis zusammen mit einem Partner-Unternehmen. Das Unternehmen hat sich auf Kräuterdestillate spezialisiert. Rebels wird im Doppeldestillat hergestellt.

Wie unterscheidet sich Rebels von anderen Produkten?
Aufgrund der Doppel-Destillation sind die Produkte geschmacklich komplexer aufgebaut und überzeugen mit mehr Aromen. Der Geschmack ist langanhaltend und nach einem Schluck spürt man die leichte Schärfe noch am Gaumen.

Sie haben diesen Februar in der Seed- Funding-Runde durch das StartAngels Network eine Million Franken erhalten. Wie ist es dazu gekommen? Und wie lief das ab?
Seed-Funding ist ein Projekt, in welchem Start-up-Firmen ein Startkapital für die Unternehmensgründung erhalten. Diese finanziellen Mittel erhält man meistens als Risikokapital oder Darlehen von Investoren. In unserem Fall haben wir die Firma Freespirited Drinks AG ein Jahr zuvor gegründet und direkt drei alkoholfreie Spirituosen auf den Markt gebracht.

«Man geht davon aus, dass Millennials 20 Prozent weniger Alkohol trinken als vorherige Generationen.»

Unser Ziel war es, mit Rebels 0.0% auch den europäischen Markt zu erobern und dieses Potenzial wurde erkannt. Dafür erhielten wir dann die Finanzspritze verschiedener Investoren. Der Lead Investor ist Dr. Friedrich Hoepfner. Seit der Unterstützung ist er auch Verwaltungsratsmitglied.

Was waren die Ziele, wofür setzen Sie dieses Kapital ein?
Das Ziel waren CHF 500 000 zusammenzubekommen. Die Finanzspritze von einer Million hat uns enorm geholfen und wir investieren es hauptsächlich in Marketing, Vertrieb und Team-Ausbau.

Welche Märkte gehen Sie in erster Linie an?
Deutschland ist der grösste Markt, wenn es um alkoholfreie Spirituosen geht. Österreich, Dänemark, Belgien und Holland haben wir auch als unsere Fokus-Märkte aufgenommen. Das heisst aber nicht, dass wir unsere Augen nur auf diese Länder richten, wir halten unsere Augen auch offen für andere Länder. Dubai ist für uns interessant, 2023 werden wir das in Angriff nehmen.

Ein Blick in die Zukunft. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes im Bereich der alkoholfreien «Spirituosen»? Wie ist da die Entwicklung weltweit? Wie in der Schweiz?
England ist sicher ein Pioniermarkt. Es gibt schon 40 alkoholfreie Spirituosenmarken auf diesem Markt, sie sind schnell wachsend. Der Dry January kommt von dort und das spiegelt sich auch in der Entwicklung des Marktes.

«Es geht nicht darum, den Menschen das Trinken zu verbieten, sondern zu vermitteln, wenn du keinen Alkohol trinken willst, dann hast du Alternativen.»

Auch der alkoholfreie Spirituosenmarkt in den USA wächst sehr stark, denn die Amerikaner haben einen nahen Draht zu Drinks. Asien und Indien sind auch interessiert an der Kategorie, und die Schweiz sehe ich nach wie vor auch als Pioniermarkt, der im starken Wachstum ist.

Auch bei Grossverteilern wie Migros und Coop haben diese Produkte in der Schweiz Einzug gehalten. Wie ist die Distributionsstrategie von Rebels 0.0%?
Wir arbeiten in jedem Markt mit einem Distributor zusammen. In der Schweiz ist dies Dettling & Marmot. Unser Fokus bisher lag auf dem Fachhandel und der Gastronomie, da uns eine gute Beratung wichtig ist. Denn falsch konsumiert können die Produkte schnell eine Enttäuschung sein. Der Angebotsausbau der Grossverteiler beurteilen wir aber als positiv, da viel Bewusstsein für die Kategorie geschaffen wird.

In diesem Herbst schreibt BAR NEWS bereits die 12. Schweizer Nullpromille Trophy, die älteste Barkeeper Competition in diesem Bereich, aus. Was halten Sie von einem solchen Wettbewerb?
Sie sind sehr hilfreich und erhöhen die Awareness der alkoholfreien Spirituosenwelt. Diese Kategorie wurde früher vom Barkeeper oftmals nicht wahrgenommen und belächelt. Trotzdem wollen die Gäste Alternativen. Die Trinktrends werden mitgesteuert vom Barkeeper und deshalb ist es wichtig, dass die Bar es auch anbietet.

Dieser Artikel erschien in
Ausgabe 4-2022

BAR NEWS-Magazin als Einzelausgabe

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