Cocktail-Delivery

Ding-Dong: Cocktails!

Donnerstag, 19.00 Uhr in der letzten Januarwoche, im «Kreissaal» brennt Licht. Doch an der Brunngasshalde wird nicht entbunden, von hier aus werden Bernerinnen und Berner mit sogenannten «Schirmlidrinks» versorgt.
Fahrer Nik bringt die «Schirmlidrinks» des Kreissaals direkt vor die Haustüre.

Maurice Angst, Barchef im Kreissaal, hantiert an seiner Musikanlage. Nicht Jazz, wie im Kreissaal üblich, erklingt aus den Lautsprechern, sondern Alternative Rock. Neben der Musik sind es die zahlreichen Kisten mit Pet-Flaschen, Cocktailschirmchen, Take-Away-Bechern für die Eiswürfel sowie ein kürzlich erst eingerichtetes Foto-Studio für den Instagram-Kanal, die an den Tischen anstatt der Gäste sitzen.

«Von den Arbeiten her läuft eigentlich vieles gleich wie sonst», sagt Barchef Maurice. «Bestellungen wegräumen, Mis-en-Place, Säfte pressen, etc.».

Bereits eine Woche nach dem Lockdown Nr. 1 kurven Kreissaal-Kuriere durch die Bundeshauptstadt. Ab Mai wird wieder auf regulären Betrieb gewechselt wobei die Bar wegen der frühen Schliessungszeit und dem fehlenden Aussenbereich neue Konzepte ausprobieren muss.

Ein paar Cocktails mit Schirmchen – manchmal alles, was es braucht, dass einem in den eigenen vier Wänden nicht die Decke auf den Kopf fällt.

Dann, nach einem gar nicht mal so üblen Sommer, sahen sich die Betreiber Ende 2020 erneut dazu gezwungen, ihren Gästebereich erneut auf die komplette Stadt auszuweiten.

Mit drei Cocktails ist Fahrer Nik bereits unterwegs Richtung Wabern. Als er zurückkehrt, zückt er ein kleines Schachbrett und bringt die Figuren in Position. Warten gehört zum Spiel. Plötzlich klingelt das Telefon, die zweite Bestellung des Abends.

Bereits eine Woche nach dem ersten Lockdown beschliesst Maurice Angst und sein Team, Cocktails in die Berner Wohnstuben zu bringen.

Die Stammkundin, die fast jede Woche bestellt, lässt sich die Tagesempfehlung erklären. «Das [Bar-]Erlebnis können wir so nicht ersetzen», sagt Maurice und doch wirkt das Gespräch so natürlich, als würde der Gast auf der anderen Seite der Theke stehen.

À-la-minute bereitet er die Drinks zu, legt sie in die Kiste, die wenig später auf dem Beifahrersitz Richtung Weissenbühl rauscht.

Ein bisschen Leichtigkeit

Sie will sich ab und zu etwas gönnen, sagt die Kundin an der Wohnungstür und nimmt Cocktails, Eis und Schirmli entgegen. Auf dem Weg zurück in den Kreissaal fährt Nik am Asino, an der Taube und am Department 66 vorbei. Einige Monate zuvor waren aus diesen Bars (sowie aus dem City Pub und der Abflugbar) Guest-Barkeeper zu Besuch im Kreissaal.

Die Bar spürt die Solidarität, aber auch eine gewisse Corona-Müdigkeit. Doch man wolle der ganzen Situation etwas Leichtes abgewinnen. Gleichzeitig sei es gute Werbung, denn mit dem Angebot bleibt man in den Köpfen der Stammkunden und kann sich mit dem Angebot auch Neukunden für die Post-Corona-Zeit aufbauen.

Die «Schirmlidrinks» werden à-la-minute zubereitet und abgefüllt.

Nach einigen ruhigeren Abenden über die Feiertage haben die Bestellungen nun wieder etwas angezogen – auch wenn seit den jüngsten Massnahmen grössere Bestellungen ausbleiben. Finanziell sei es nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Doch gilt nicht auch die Redewendung: «Steter Tropfen höhlt den Stein?»

Mit Cocktails im Gepäck wird Nik diesen Abend noch an einigen Haustüren klingeln. Tags darauf findet man die Schirmlidrinks in der Insta-Story des Kreissaals. Ein paar Cocktails mit Schirmchen – manchmal alles, was es braucht, dass einem in den eigenen vier Wänden nicht die Decke auf den Kopf fällt.

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