Seit knapp fünf Jahren führt die gebürtige Schwarzwälderin die Bar Karel Korner in Luzern und steht selbst leidenschaftlich gerne und vorwiegend als kreative Mixologin hinter dem Tresen, flankiert von einem internationalen Team. Warum ihre Bar diesen Namen trägt, verrät die begeisterte UrLAUBERin im Interview mit BAR NEWS. Und noch viel mehr.

von Mia Bavandi

Die Karel Korner Bar steht für Individualität, Kreativität und Innovation. Alle Säfte, Sirups, Bitters und Tinkturen sind hausgemacht. Die vorherrschende «Amtssprache » bei einem Barteam aus Russland, Deutschland, Iran, Spanien, Ecuador, Portugal, Ungarn und der Schweiz ist Englisch. «Das schwappt auch auf die Gäste über. Man weiss, im Karel spricht man mehrere Sprachen», erzählt Judith Lauber alias Judy. Als Barchefin steht sie hinter dem Barkonzept, dem Tresen und an der Seite ihrer internationalen Bar-Flotte.

Seit Tag 1 ist die gebürtige Schwarzwälderin aus Freiburg Barchefin und Geschäftsführerin der Karel Korner Bar in Luzern. Durch Zufall ist sie vor fünf Jahren mit den beiden Inhabern ins Gespräch gekommen und in freundschaftliche wie berufliche Verbundenheit geraten. «Sie hatten die Idee, aus einer Cevapcici-Bude eine Cocktail-Bar zu machen», schildert Lauber, den Beginn ihrer Rolle als Mixologin, Gastgeberin und Geschäftsführerin in Personalunion. Seither lenkt sie die Luzerner Szene-Bar «mit allen Freiheiten», die es für Locals, Basler, Zürcher oder Berner und ausschliesslich Signature Drinks braucht. Und wenn die im Hintergrund tätigen Inhaber «aber doch ’mal in der Bar sind, stehen sie uns relativ gut im Weg rum», scherzt die Vollblut-Gastronomin, die nebenbei als Mitinhaberin des Cocktail Caterings «Room Service» die ganze Schweiz bedient.

Karel Korner
Winkelriedstrasse 30, 6003 Luzern
karelkorner.ch
Öffnungszeiten
MO – Mi 17.00 – 00.30 Uhr
DO – SA 17.00 – 02.00 Uhr

Gut essen gehen, selbst für Freunde oder die grosse Familie im Schwarzwald kochen, der Besuch von Bars, Kaffeehäusern oder Hotellobbys, Socializing: Kulinarik, Gastronomie und Gastgeber sein, das sei schon immer ihr Interesse gewesen. Bereits neben dem Abitur und einer kaufmännischen Ausbildung im Hotel jobbt sie in Bars, Cafés und als Aushilfe in der Freiburger Hemingway Bar. Am dortigen Tresen trifft sie die Entscheidung: «Ich muss das fix machen, bin dort geblieben und wurde von sehr begnadeten und talentierten Menschen zur Mixologin «ausgebildet».

Doch was wäre das perfekte kreativ-liquide Handwerk ohne einen guten Gastgeber? «Das kann nur Hand in Hand gehen. Barkeeping ist nicht nur ein Job. Bei mir steckt Leidenschaft dahinter, sonst würde ich es nicht so lange machen. Wenn ich im Karel Korner mit rund 40 Plätzen auf mich alleine gestellt bin, dann fordert das. Aber der Moment, einen Gast in deinen Bann zu ziehen, ist wunderschön». Der Entschluss, hauptberuflich im Barwesen tätig zu sein, liegt nun zehn Jahre zurück. Mit viel Eigeninitiative, dem Selbststudium von Fachwissen aus Fachlektüre, Besuch von Messen und einer Menge Erfahrung im Kontakt mit Menschen auf der einen wie der Mixology auf der anderen Seite.

«Mixologin zu sein ist ein Lifestyle, eine Passion. Ohne Leidenschaft würde ich sofort den Beruf wechseln», erklärt die passionierte Städte- und Länderreisende, die auch in fremden Gefilden gerne Bars, Restaurants, Hotellobbys und Cafés besucht. Derzeit arbeitet sie mit ihrem Team der Karel Korner Bar an der sechsten Barkarte, «Volume 6», die ausschliesslich aus rund 20 Signature Cocktails besteht. Nur auf der ersten Karte vor fünf Jahren sei ein gewisser Gin Basil Smash zu sichten gewesen. «Zum Teil bedienen wir uns der Klassiker als Inspiration, aber grundsätzlich sind unsere Hauscocktails aus eigener Hand kreiert », sagt die fast 30-Jährige, die ihren Gästen alles zubereitet, so die entsprechenden Zutaten im Haus sind.

«Wenn jemand Lust auf einen Piña Colada, Mojito oder Caipirinha hat, versuchen wir sie oder ihn zuerst auf eine unserer Eigenkreationen aufmerksam zu machen». Ihr Anspruch, der sich wie ein roter Faden durch das familiäre Karel Korner zieht: Gästen Neues und Überraschendes aufzutischen. Risiko und Herausforderung war die anfängliche Idee: «Heute sind acht von zehn Bestellungen Cocktails, das macht uns stolz».

Mit amerikanischen Whiskys, Wermut, Bitters, einer grossen Gin-Auswahl, Mezcal, Tequila, regionale Bierspezialitäten am Rande und Laubers Lieblingsbier Augustiner Edelstoff sei alles machbar. Während ihrer Schicht an vier Tagen pro Woche mixt sie bis zu 150 Cocktails pro Abend – am liebsten gerührte Drinks und wilde Kombinationen – und verzichtet im kreativen Arbeitsmodus selbst auf den hochprozentigen Genuss. Geht sie selbst aus, bevorzugt sie «vermeintlich einfache Drinks» wie Negroni, Boulevardier oder Old Fashioned.

Unangenehme Gäste gebe es nur selten. «Und wenn, schicken wir sie ein Haus weiter », meint die Barchefin des «KK» augenzwinkernd, also ums Eck. Karel ist ein fiktiver Name und Korner bezieht sich auf die Lage der Bar an der Hausecke. Als Hausherrin sieht sie sich zu 100 Prozent von ihren Gästen und dem Team sowieso in ihrer Funktion akzeptiert.

«In 2020 sollte die Geschlechterfrage keine Rolle mehr spielen. Bei uns im Karel Korner ist der Frauenanteil über alle Jahre gerechnet höher, und das ist übrigens bei unseren Gästen auch so». Nicht einfacher oder schwieriger als in anderen Branchen, auch wenn weniger Frauen diesen Job ausüben und er dadurch spezieller ist – «Einstellungssache».