Der Duft von Holz, Feuer und frisch gemahlenem Kaffee liegt in der Luft. Auf dem glänzenden Messingboden knirschen Holzspäne unter den Schuhen, während im Designer-Cheminée des St. Galler Ofenbauers Josef Christian Buck leise Flammen tänzeln. Das Licht bricht sich in den alten Mauern, die von Jahrzehnten voller langen Nächte, Musik und Begegnungen erzählen.
Viele der Relikte aus früheren Tagen wie der charakteristische Messingboden, das Cheminée oder der alte Flaschenabwurf wurden beim Umbau sorgfältig erhalten. Das Gebäude selbst hat eine bewegte Vergangenheit: Bereits in den 1980er-Jahren galt die Bar als Fixpunkt im St. Galler Nachtleben. Im August wurde gefeiert und getrunken – ein Ort, an dem das Leben pulsierte.

Der Charme des Hauses war schon damals unverwechselbar: warme Materialien, handwerkliche Details und eine unverkennbare Patina, die geblieben ist. Gamper, der das Lokal bereits aus seiner Jugend kannte, fühlte sich dem Gebäude seit jeher verbunden. Eigentlich hatte der Gastrounternehmer, bekannt für seine Süd Bar, aber gar nicht vor, ein neues Lokal zu eröffnen.
Doch als er von den Hauseigentümern darauf angesprochen wurde, zögerte er nicht lange: «Ich war hier schon Gast, als ich 18 war», erzählt er. «Wenn dieses Haus je frei wird, dann will ich es übernehmen.» Aus dieser spontanen Entscheidung wurde ein intensives Projekt: drei Monate Umbau, viele Nächte mit Handwerkern, Kabeln und Plänen, immer mit dem Ziel, den ursprünglichen Geist des Hauses zu bewahren. Im Dezember 2024 war es dann so weit: Der Umbau war vollzogen und das August-Team bereit, seine Gäste zu empfangen.
Drei Etagen voller Leben
Im Erdgeschoss öffnet sich die Bar: warm, gesellig, mit dem Feuer als Mittelpunkt. Wer die Stufen hinaufgeht, steht im Beizli: einem Raum mit rund zwanzig Plätzen, gedämpftem Licht und der Ruhe eines Ortes, an dem Zeit keine Rolle spielt. Hier wird saisonal und regional gekocht – ehrlich, präzise und ohne Effekthascherei. Auf der Karte stehen monatlich wechselnde Mittagsmenüs und eine feine À-la-carte-Auswahl, inspiriert von der Ostschweiz, gekocht mit Leidenschaft.

Durch ein kleines Fenster lässt sich Koch Jeremy Gmür über die Schulter blicken, wie er konzentriert und präzise die Teller anrichtet. Über die steile «Himmelsleiter» führt der Weg weiter hinauf ins Fumoir unter der Glaskuppel. Ein ruhiger Raum aus Holz, Glas und Metall, in dem man sich zurückziehen und ungestört verweilen kann. Gamper selbst ist kein Gastronom im klassischen Sinn. Er ist Unternehmer, Veranstalter, ehemaliger Snowboard- Profi. Und jemand, der kaum stillsteht.
Seine Tage sind lang, seine Projekte zahlreich. «Ich wurde schon oft gefragt, ob mein Tag mehr als 24 Stunden hat», sagt er und lacht. Disziplin und Leidenschaft prägen ihn und das spüren auch seine Gäste. Auf die Frage, ob er anderen raten würde, eine Bar zu eröffnen, antwortet er: «Nur, wenn du es wirklich willst. Es ist kein Job für nebenbei. Aber du bekommst ehrliches Feedback – direkt, jede Nacht.»
Leidenschaft als Lebensform
Von seinem Team erwartet er den selben Elan. «Wir sind alles sehr unterschiedliche Charaktere, die aber sehr gut zusammenpassen. Das macht unser Team sehr fortschrittlich und modern. Jeder kann alles, jeder springt ein, wenn es nötig ist. Wenn jemand ausfällt, übernimmt der Nächste, ohne Diskussion», erklärt Gamper. Die Mischung aus Erfahrung und Lernbereitschaft hält das Konzept flexibel und die Abläufe stabil. Aber das Wichtigste: «Wir haben alle extrem viel Spass an der Gastro.» Und das spürt man.

Die Barkarte wechselt monatlich. Einige Drinks bleiben wie der Espresso Martini oder der Secret Garden (eine Art Basil Smash Milk Punch auf Vodka Basis) und der im Eichenfass gelagerte Haus-Negroni mit gestempeltem Klareis. Viele Zutaten stammen aus der von Gamper mitgegründeten Brennerei 9000 Spirits in Urnäsch. Nach nur zehn Monaten läuft das August besser als erwartet. Stammgäste aus der Umgebung treffen auf neugierige Besucher aus Winterthur, Zug oder dem Bündnerland. Alle kommen, weil sie spüren, dass hier etwas Echtes entsteht.


