Die Aufsteigerin im Porträt

Melina Reusser ist Best Barkeeper Talent 2025

Melina Reusser aus Thun gewinnt bei den SWISS BAR AWARDS 2025 den Titel Best Barkeeper Talent. Die 19-jährige Barkeeperin der Atelier Classic Bar in Thun überzeugt mit Kreativität und durchdachtem Swissness-Konzept.
Melina Reusser ist das beste Nachwuchstalent der Schweizer Barszene.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr treffe ich Melina Reusser zum Siegerinterview. Langsam wird das zur Gewohnheit. Nach der Null-Promille-Trophy im Frühjahr hat sie nun auch den Titel Best Barkeeper Talent 2025 gewonnen. Damals war ein Artikel in BARNEWS ihr grosser Traum – den hat sie längst erreicht. Jetzt richtet sich ihr Blick auf neue, noch grössere Ziele. Die junge Barkeeperin aus Thun hat Grosses vor. Innerhalb eines Jahres hat sie sich mit auffallender Zielstrebigkeit in der Schweizer Barszene einen Namen gemacht.

Sie arbeitet strukturiert, fokussiert und weiss genau, was sie will. Ihre Kreationen folgen einem klaren, ganzheitlichen Konzept: geschmacklich ausgewogen, visuell abgestimmt und mit authentischem Storytelling. Als Reusser bei den SWISS BAR AWARDS 2025 den Titel Best Barkeeper Talent entgegennimmt, ist sie für einen Moment still. «Ich war überwältigt», sagt sie später. «Ich habe es zuerst gar nicht realisiert.» Auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen vor so viel Publikum, sei «viel mehr Adrenalin» gewesen als die eigentliche Competition.

Eine überwältigte Siegerin anlässlich der Award Night der SWISS BAR AWARDS.

Die jungen Talente mussten, ähnlich wie die Anwärter des Titels Barkeeper of the Year, einen selbst kreierten Drink präsentieren, einen schriftlichen Test bestehen und ein Nosing absolvieren. «Am schwierigsten fand ich die Allgemeinwissensfragen», erzählt sie lachend. «Da kam zum Beispiel die Frage, welche Frau als Erste alle Achttausender bestiegen hat». Mit Barwissen hat das zwar wenig zu tun, doch wer an der Bar steht, sollte mehr mitbringen als nur Fachkenntnis – nämlich Interesse, Offenheit und Allgemeinbildung.

Ein alpiner Zaubertrank

Ihr Siegerdrink trägt den Namen «Élixir des Alpes» und ist, ganz im Gegensatz zu ihren früheren japanisch inspirierten Kreationen, eine Hommage an die Schweiz. Appenzeller Alpenbitter als Basis, dazu Tannenschössli-Ricola- Honigsirup, Zitronensaft, Minze und Rivella. Die Idee kam ihr zufällig beim Dessert. «Ich hatte in einem Restaurant Vanilleglace mit Tannenschösslihonig. Ich wusste sofort, dass ich damit etwas machen will.» Herausgekommen ist ein Drink, der nach Wald, Kräutern und Heimat schmeckt.

Passend dazu ihr Auftritt beim Qualifikationstag in der QN-World in Illnau-Effretikon: rote Trachtenbluse, geflochtene Zöpfchen – eine feine Anlehnung an Heidi. Melina Reusser überzeugt mit einem durchdachten Konzept hinter ihrem Competition-Drink. Ihr Mentor Ivan Urech, Barchef der Atelier Classic Bar, hat ihr vermittelt, dass eine gute Präsentation an der Bar mehr ist als die Summe ihrer Zutaten. «Ivan hat mir gezeigt, wie man eine Geschichte rund um einen Drink aufbaut.

Ich habe gelernt, dass man nicht zurückschauen soll, wenn etwas schiefgeht.

Melina Reusser

Dass alles zusammenpassen muss, vom Geschmack über das Outfit bis zur Präsentation.» Dieser Gedanke hat sie geprägt. In ihrer ruhigen Art spricht Reusser offen über Fehler und Lernprozesse der Wettbewerbe. «Ich habe gelernt, dass man nicht zurückschauen soll, wenn etwas schiefgeht. Meine Berufsschullehrerin hat immer gesagt: Es ist wie bei Mario Kart, wenn du eine Münze verpasst, siehst du vorne schon die nächste.» Vielleicht ist genau das ihr Geheimnis: nicht hadern, sondern weitermachen.

Von Thun in die Welt

Für 2026 steht das nächste grosse Ziel an: WorldSkills Shanghai – die Weltmeisterschaft der Berufe. Dort wird das junge Talent die Schweiz in der Kategorie Restaurant Service vertreten. «Ich freue mich riesig, aber ich habe auch Respekt», gibt sie zu. «Vor allem die asiatischen Teilnehmer sind unglaublich stark. Aber ich will einfach mein Bestes geben.»

Langfristig möchte sie weiter lernen, reisen, vielleicht im Ausland arbeiten. Später zieht sie eine Ausbildung an der Hotelfachschule Luzern in Betracht. Und irgendwann, ihr Blick wird dabei kurz verträumt, will sie ihre eigene Bar eröffnen. Eine Idee hat sie auch schon: «Ein Ort, wo gute Drinks und gutes Essen zusammenkommen. Vielleicht etwas mit Foodpairing.» Dann lacht sie: «Mehr verrate ich aber nicht, sonst klaut’s mir noch jemand!»

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