Beste Barkarte

Wenn eine Barkarte zum Leben erweckt

Eine Barkarte wie ein Kunstwerk: In der Galerie Boutique Bar in Thun verschmelzen Handwerk, Design und digitale Innovation. An den diesjährigen SWISS BAR AWARDS wurde Gage Plecic’s Werk als Best Bar Menue 2025 ausgezeichnet.
Die Barkarte der Galerie Boutique Bar in Thun ist wie ein Kunstwerk.

Schlicht und schwarz, überzogen mit samtigem Velours. Die Barkarte der Galerie Boutique Bar wirkt wie ein luxuriös gebundenes Buch. Ihr Gewicht zeugt von präziser Handarbeit, die Textur des Velours ist dicht, weich und fein. In der Mitte ruht ein grosses, massives Messinglogo, kunstvoll graviert und handgebürstet. Das Gold schimmert leicht im Barlicht und bildet einen scharfen Kontrast zum matten Schwarz des Covers.

Beim Öffnen entfaltet sich eine Welt aus tiefen Farben, klarer Typografie und kunstvollen Bildern: ein Pfau mit einem Glas Champagner, ein Gepard im Dschungel, ein Cocktail, der in mystischem Licht leuchtet. Jedes Motiv greift das Thema der Bar auf, den Kleinstadt-Dschungel, und verbindet handwerkliche Präzision mit einem Hauch von Abenteuer. Hält man das Handy über die Seite, erwacht das Bild zum Leben. Der Dschungel bewegt sich.

Eine gute Barkarte ist mehr als nur eine Liste mit Getränken.

Gage Plecic

Licht und Schatten flackern über Papier. Aus einer Karte wird ein Erlebnis. Als Gage Plecic bei den SWISS BAR AWARDS 2025 den Titel Best Bar Menue entgegennimmt, weiss die Jury genau warum. Laudator Tobias Linder beschreibt es so: «Eine gute Barkarte ist mehr als nur eine Liste mit Getränken. Sie soll Lust machen, inspirieren und am besten so spannend sein, dass man sie auch nach der Bestellung nicht weglegen möchte.» Genau das tut diese Karte: Sie überrascht, inspiriert und weckt Emotionen.

Digitale Erlebniswelt trifft Handarbeit

Die Idee zu dieser aussergewöhnlichen Barkarte stammt vom Inhaber der Galerie Boutique Bar Gage Plecic. Der ehemalige Clubbetreiber, Musiker und Multimedia-Produzent wollte ein Menü erschaffen, das man nicht einfach liest, sondern erlebt. Seine Vision: «Digitale Erlebniswelt trifft Handarbeit.» Inspiriert vom eigenen Konzept des «Kleinstadt- Dschungels», einem Ort, in dem Tiere, Pflanzen und Licht ineinander übergehen, startete Plecic 2023 mit der Umsetzung.

Es sollte eine Karte werden, die seine Gäste in eine andere Welt entführt. Zwei Jahre dauerte der Weg bis zum fertigen Objekt. Fast wäre das Projekt an seinem ersten Schritt gescheitert: Niemand in der Schweiz wollte das filigrane Messinglogo fertigen. Die meisten Betriebe gossen Seriengussteile und lehnten filigrane Handarbeit ab, dazu kam die geringe Stückzahl – Plecic brauchte nur zehn Exemplare. «Ich habe überall angerufen, bei Metallbauern, Kunstschlossern, Buchbindern, alle sagten, das sei verrückt», erzählt Plecic.

Die Barkarte mit dem filigranen Messinglogo

Erst ein befreundeter Grafiker in Vietnam brachte die Lösung: Er kannte einen Kunsthandwerker, der sich der Aufgabe annahm. Neun Monate dauerte die Herstellung. Jede Platte wurde von Hand gebürstet, um den goldenen Glanz zu brechen, denn es sollte nicht kitschig wirken, sondern edel. «Als ich das erste Stück in der Hand hielt, wusste ich: Das war es wert.»

Aufbau & Konzept

Inhaltlich ist das Menü so vielschichtig wie sein Design. Auf der linken Seite findet man die Cocktails, auf der rechten die visuellen Welten, die sie begleiten. Über einen QR-Code werden die Illustrationen auf dem Handy zum Leben erweckt. Tiere bewegen sich, Blätter rauschen, Lichter flackern.

So wird jede Bestellung zu einer kleinen Entdeckungsreise. Die Karte umfasst rund 80 Drinks, von Klassikern wie Negroni und Old Fashioned bis zu eigenen Signature-Kreationen mit hausgemachten Essenzen oder dem hauseigenen Beerenlikör Fulehung, benannt nach einer Thuner Legende. Auf der ersten Seite stehen die «Most Ordered Cocktails»: eine Einladung für Gäste, die sich noch nicht entscheiden können.

v.l: Christian Bracher, Gage Plecic, Rahel Wenger und Natascha Lassé

Es ist, wie Plecic sagt, «eine Karte, die Vertrauen schafft» zwischen Gast und Gastgeber. Velours und Messing, Digitalität und Handwerk, das Zusammenspiel dieser Gegensätze macht den Reiz der Karte aus. Der haptische Luxus der Oberfläche trifft auf die flirrende Magie der digitalen Ebene.

Die Illustrationen stammen aus Plecics eigener Hand, jedes Bild wurde in Zusammenarbeit mit einem Partner animiert, verfeinert und dramaturgisch gesetzt. «Ich wollte, dass man den Dschungel spürt, dass man glaubt, die Bar selbst atmet», sagt er. So verbinden sich Technik und Emotion, Design und Handwerk zu einem Gesamterlebnis, das weit über den Rand der Karte hinausreicht.

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