Die Welt der Whiskys und Whiskeys wird immer vielfältiger und komplexer. Dem traditionellen Blick Richtung Schottland, Irland und den USA ist längst das Interesse für die neuen Whiskyregionen der Welt gewichen. Und das nicht nur weil die drei Länder längst nicht die grössten Whiskyproduzenten sind. Whisk(e)y of the World – Teil 4 über Whisk(e)ys aus Ländern wie Indien, Australien und Südafrika.
von Jürgen Deibel

Die meistverkaufte Whiskymarke kommt derzeit aus Indien und hat 2017 (aktuelle Statistik laut Forbes) 283.5 Millionen Liter verkauft – Officer’s Choice. Auch Platz 2 bis 4 gehen an indische Marken (McDowell’s, Imperial Blue und Royal Stag Whisky), erst auf Platz 5 folgt der erfolgreichste internationale Whisky aus Schottland, Johnnie Walker, noch vor Jack Daniel’s aus den USA. Jim Beam schafft es immerhin noch in die Top Ten, die ansonsten, abgesehen von den oben erwähnten Whiskeys, rein indisch belegt sind. Jameson findet sich als bester (und einziger irischer Whiskey) auf Platz 15, noch hinter dem bestplatzierten kanadischen Whiskey, Crown Royal. Unter den Top 25 der Liste des Jahres 2017 findet sich nicht ein einziger der sonst so beliebten und geachteten Single Malts aus Schottland!

Indien verwundert nur auf den ersten Blick. Nach China und Russland ist Indien der drittgrösste Spirituosenmarkt der Welt. Ca. 1,2 Milliarden Menschen haben innerhalb der letzten Jahre ein Bedürfnis nach Hochprozentigem entwickelt. Beginnend unter der britischen Kolonialmacht wurde der Wunsch nach Gin und Whisky immer weiter entwickelt. Kasauli, die erste Whisky-Destillerie in Indien, gründete der Brite Edward Dyer bereits um 1855 im Himalaja. Dyer beabsichtigte damals, «einen Malt Whisky herzustellen, der so gut ist wie der schottische». Heute allerdings ist der meiste in Indien produzierte Whisky ein einfaches, oftmals auf Neutralalkohol aus Melasse basierendes Produkt. Whisky gehört zur Gruppe der IMFL (Indian Made Foreign Liquors), die insgesamt über 70% des indischen Spirituosenmarktes ausmachen. Whisky macht innerhalb dieser Gruppe mit über 55% den grössten Anteil aus. Andere Produkte sind Rum, Gin und Vodka. Da diese Kategorie aber auch eine preiswerte Einstiegsgruppe in die Welt der hochprozentigen Produkte darstellt, sind hier die meisten Whiskys zu finden, welche oft aus gefärbtem Melassealkohol oder Blends aus verschiedenen Whiskys, manchmal sogar aus Schottland, Irland, Kanada oder USA, mit Melassealkohol zusammengestellt sind.

«Amrut und John Distilleries konzentrieren sich derzeit sehr auf den Absatz in Europa und Amerika.»

Doch in Indien gibt es auch Spitzenwhiskys, denn das Klima ist warm, von gemässigt kalt im Norden bis zu tropisch heiss im Süden, was insbesondere dort die Reifung von Whisky beschleunigt. Im Süden findet man auch die beiden wichtigsten Destillerien Indiens, Amrut in Bangalore und John Distilleries, ursprünglich auch in Bangalore gegründet und heute für die Whiskyproduktion in Goa ansässig. Amrut, gegründet 1948 und spezialisiert auf Alkoholproduktion jedweder Art, produziert ca. 4 bis 5% Whisky in seinem Portfolio. Um 1990 begann man mit der Produktion eines mittlerweile sehr guten und bekannten Single Malts, der im feuchten Klima Südindiens schnell reift. Mittlerweile umfasst die Palette an Single Malt Whisky Destillate von torfigem und ungetorftem Malz und einige sehr interessante Finishes. Der Bestseller von John Distilleries ist ein Blend, aber auch die stetig wachsende Vielzahl von Single Malts der seit 2012 in Goa beheimateten Destillerie, werden immer beliebter. Auch hier findet man torfige und ungetorfte Single Malts, teilweise mit der Gerste aus dem Himalaja-Gebirge. Beide Destillerien, Amrut und John Distilleries, konzentrieren sich derzeit sehr auf den Absatz in Europa und Amerika, obwohl viele neue Craft-Destillerien in Indien entstehen und sie damit auch auf dem heimischen Markt herausfordern.

Whiskys aus China/Taiwan

Sieht man nur die nackten Zahlen und die Grösse, sollte auch China ein wichtiger Player im Whiskymarkt sein. Doch dem ist (noch?) nicht so. Dies mag einerseits daran

Bild: Archie Rose Distillery, Australien


Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe 2 | 2020 des Fachmagazins BAR NEWS.

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