Von Zeit zu Zeit stolpern Gäste beim Lesen eines Cocktail-Menüs über Begriffe, die sie noch nie zuvor gehört haben. Wörter, die nur informierte Barkeeper und interessierte Cocktailgeniesser kennen und welche Produkte bezeichnen, für die kaum Werbung gemacht wird und die nur selten in Cocktails eingesetzt werden. Eines dieser mysteriösen Produkte ist der Falernum.

Während das Wort «Falernum» bereits im alten Rom ein alkoholhaltiges Getränk, genauer einen Wein, bezeichnete, assoziiert man den Begriff heutzutage eher mit einer Insel in der Karibik: Barbados. Von hier sollen die ersten Aufzeichnungen dieses Gemischs stammen, das heute in keiner Tiki-Bar fehlt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erschienen erstmals Zeitungsartikel, in denen Falernum als Getränk beschrieben wird, welches aus drei Teilen Rum, zwei Teilen Limettensaft, einem Teil Zucker und vier Teilen Wasser besteht. Diesen Zutaten fügt man Bittermandeln hinzu und trinkt das Gemisch mit Wermutbitter. Damit folgt das Rezept dem klassischen karibischen Punch-Rezept «one of sour, two of sweet, three of strong, four of weak». Heute jedoch versteht man unter Falernum einen Likör oder einen Sirup, der nach Rum, Limette, Rohrzucker, Nelken und Mandeln sowie in den meisten Fällen nach Ingwer und weiteren Gewürzen schmeckt.

Mit dem Aufkommen der Tiki-Welle in den 1940er- Jahren erhielt Falernum den Einzug in die amerikanische Barkultur. Die komplexen Drinks dieser Ära enthielten nicht selten eine Vielzahl an verschiedenen Zutaten – da kamen die komplexen Aromen des Falernums gerade richtig. Auch heute greifen moderne Tiki-Barkeeper, die in die Fussstapfen von Trader Vic und Donn Beach treten, zum Falernum. Damit mixen sie aber nicht nur die Tiki- Klassiker wie den Zombie von Don the Beachcomber oder Swizzles auf Rum-Basis, sondern auch Twists zu klassisch- kubanischen Cocktails. Ein Beispiel ist der Royal Bermuda Yacht Club-Cocktail, der mit nur fünf Zutaten auskommt und sich eher am klassischen Daiquiri orientiert. Dass Falernum auch in einem Champagner-Cocktail eingesetzt werden kann, beweist der Mr. Serious von Klaus St. Rainer.

Falernum passt zu Rum-Cocktails wie die Faust aufs Auge. Logisch, denn neben Gewürzen ist Rum, Limette und Zucker die Basis dieses Likörs (oder Sirups). Während die Mixtur lange Zeit nur schwer erhältlich war, gibt es heute von verschiedenen Produzenten Falernum. Als Sirup gibt es ihn etwa von Monin oder ODK, als Likör von Seventh Sense, Bitter Truth, John D. Taylor’s, Bonpland und Revolte.

Zombie, Don the Beachcomber

In Anlehnung an das Rezept von David Embury, der den Geschmack des Drinks zwar mochte, nicht aber die Geheimnistuerei von Donn Beach, das Marketing (der Slogan «Only two a customer» wurde laut Embury bereits von Southern Comfort verwendet), wie auch die Verwendung von mehreren verschiedenen Rums.

3 cl weisser Rum
6 cl dunkler Rum
3 cl Jamaica Rum
1 cl Falernum (oder Orgeat/Zuckersirup)
2 cl frischer Ananassaft
2 cl Limettensaft
1 cl Apricot Liqueur
2 cl «Mysteriöse Zutat»

Zubereitung: Alle Zutaten shaken und auf Crushed Ice servieren. Mit Overproof Demerara Rum floaten.
Kommentar: Bei der mysteriösen Zutat handelt es sich um 2 Teile Grapefruit-Saft und 1 Teil Zimt-Sirup. In den meisten Rezepten findet man heute auch Grenadine (1 BL) sowie einige Tropfen Angostura Bitter und Absinthe. Das Rezept vom Tiki-Experten Jeff Berry geht von etwas weniger Rum aus: 3 cl Jamaica Rum, 4,5 cl brauner Rum und 2 cl Overproof Rum – immer noch ein sehr starker Drink…

Royal Bermuda Yacht Club

Ein Klassiker mit Falernum, der sich in der Rezeptur eher an einem Daiquiri als einem Tiki-Cocktail orientiert. Als Rum bietet sich Gosling an, der Rum-Marke der Insel, die den namensgebenden Yacht Club beheimatet.

6 cl Gosling Rum
3 cl Lime Juice
1,5 cl Falernum
1 BL Cointreau
2 Dashes Angostura Bitters

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker gut schütteln und
doppelt in eine Coupette oder ein Martiniglas abseihen.

Mr. Serious Champagne Cocktail

Aus «Cocktails: The Art of Mixing Perfect Drinks» von Klaus St. Rainer. Ein Champagner-Cocktail mit einer Rum-Falernum-Basis.

2 cl Jamaica Rum
1,5 cl Falernum
0,5 cl Limettensaft
2 Dash Angostura Bitter (oder anderer Bitter)
Champagner

Zubereitung: Alle Zutaten (ausser Champagner) im Shaker schütteln. In ein vorgekühltes Flute-Glas abseihen und mit gekühltem Champagner auffüllen.