Reportage von Jürgen Deibel.

Es ist das heute typische Gespräch an einer Bar. Die Gäste bestellen einen Gin & Tonic. Eigentlich nichts besonders, sollte man denken. Gibt es doch genügend Auswahl, sowohl an Gins, als auch an Tonics. Doch falsch gedacht.

Erst vor kurzem durfte (musste) ich folgende Situation in einer Bar selbst erleben: gutgelaunt begrüsst der Barkeeper die Gäste und empfiehlt einen Gin und den dazugehörigen Tonic. Einfach, sollte man glauben. Doch schon geht es los: «Nein, nicht diesen Gin, den kennen wir schon!», «Nein, den habe ich daheim!», schallt es aus der anderen Kehle. Und es kommt noch schlimmer: «Der Gin, den Sie empfehlen, passt aber gar nicht zu dem Tonic!». Und gerade denkt man, der Höhepunkt der Peinlichkeit ist erreicht, da kommt es noch ärger: die Gäste fangen an, mit dem Barkeeper zu «fachsimpeln», kennen sie sich doch im Gin-Segment «bestens» aus und «wissen alles über Gin» und welches Tonic passend zu welchem Gin sein «muss». Empfehlung des Barkeepers? Fehlanzeige, überhört, ignoriert. Die Gäste wissen es besser! Missgelaunt zieht der Barkeeper sich zurück, überlässt die Getränkekarte mit der Auswahl an Gins und Tonics den Gästen und wird damit nur noch zum Erfüllungsgehilfen der «Ginthusiasten» unter seinen Gästen degradiert.

Woher das Wissen?

Aber woher wissen die Gäste das alles? Einfache Antwort: aus den Medien und aus dem Internet, den diversen Artikeln, nicht in Fachmagazinen, sondern in Tages- oder Wochenzeitungen oder in den Foren und Newslettern rund um dieses Thema, die in den vergangenen Jahren pilzgleich aus dem Boden geschossen sind. Dort wird heute ausführlich jeder Gin und jedes Tonic aus allen Teilen der weiten Welt diskutiert, zerlegt und wieder neu zusammengesetzt. Wie wurde es gerade in einem dieser Blogs von einem Barkeeper formuliert: «Welcher Gin wird mit welchem Tonic gemixt? Hebt man mit dem Barlöffel den Gin nach Aufgiessen unter oder serviert man das Tonic direkt separat? Sollte man die Zeste abflämmen oder ist das nur Show? Einige fingen an, sogar das Tonic ‹abzujiggern›.» Dies ist das Leid der heutigen Barkeeper – und das «Wissen» der Ginaffinen Gäste.

Ist es aber nicht genau dieses «Wissen», was die Faszination des Gins und des Tonics zu einem beliebten Objekt der Persönlichkeitsdarstellung der Gäste machen? Endlich kann man mitreden. Kann über Botanicals und die Zubereitung des Gins fabulieren, kann sich vor seinen Freunden (und den Barkeepern) produzieren und mit seinem «Wissen» Eindruck schinden. Selbst der sonst gerne für das Halbwissen der «Experten» angeprangerte Whisky setzt zumindest eine Auseinandersetzung mit der Herstellung und der Geschichte voraus. Aber Gin? Hier kann jeder «Experte» sein. Und (be)nutzen nicht auch viele Barkeeper genau diese Effekte, um sich auch von ihren Mitbewerbern abzuheben?…


Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe 1-2016 des Fachmagazins BAR-NEWS.

2-Jahres-Abo zum Spezialpreis

Bestellen Sie jetzt ein 2-Jahres-Abonnement BAR-NEWS zum Spezialpreis im Webshop!

BAR-NEWS Abo