Bier, Spirituosen und Cocktails – das Thema «Alkoholfrei» ist längst auch in diesen Getränkegattungen angekommen. Doch ist Alkohol tot oder etabliert sich bei diesen Produkten lediglich eine attraktive Nische? Können diese Produkte Barkeepern helfen, auch unter der Woche ihre Bar zu füllen? Eine Standortbestimmung.

Du triffst dich mit Freunden in der Stadt, gehst mit deinen Mitarbeitern zum Apéro oder mit deinem Fussballverein nach dem Training noch auf ein Bier. Wer sucht, der findet. Dies gilt sowohl für den Grund Alkohol zu trinken, als auch, gezielt darauf zu verzichten. Wird Alkoholkonsum zur Sucht, soll darauf verzichtet werden. Insbesondere, wenn durch die Sucht nicht nur die Person selbst, sondern auch ihr Umfeld darunter leidet – dasselbe gilt für das masslose Rauschtrinken.

Am häufigsten verzichtet man im Alltag vermutlich auf Alkohol, um nicht im falschen Moment «einen Schwips» zu haben – oder aber aus gesundheitlichen Gründen. Noch häufiger kommt man gar nicht erst auf die Idee, Alkohol zu konsumieren – etwa beim Business Lunch oder vor dem Sport. Doch auch diejenigen Menschen, die alkoholische Getränke als Genussmittel sehen, sollten ab und zu verzichten können. Der Grund (um etwas Wirtschaftsjargon zu verwenden) ist der sogenannte «abnehmende Grenznutzen ». Von den ersten zwei bis drei Cocktails des Abends profitiere ich am meisten, wohingegen der fünfte oder sechste Cocktail mir weder den Abend noch den Tag danach bereichert. Den Begriff Genuss assoziiert man ja auch nicht mit Ballermann und Spring Break – den Inbegriffen des masslosen Alkoholkonsums.

Was will der Gast?

Bestellt ein Gast an der Bar für seine drei Kollegen drei Gin & Tonics und für sich eine Cola, sollte jedem Barkeeper ein Licht aufgehen. Will er wirklich eine Cola, oder ist er der designierte Chauffeur und er will in erster Linie etwas Alkoholfreies? Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an attraktiven Soft Drinks, Limonaden und Eistees und die meisten wissen, dass ein Ginger Beer keinen Alkohol enthält.

Aber dass alkoholfreie Cocktails oder Biere ohne Alkohol in den letzten Jahren unvergleichliche Fortschritte gemacht haben, wissen vielleicht Barkeeper und aufgeschlossene Gäste. Die grosse Mehrheit der Gelegenheits-Bargänger hingegen muss noch überzeugt werden. Genau diese Zielgruppe sollte nicht vernachlässigt werden. Trinkt nur ein Gast einer Gruppe nicht, so wird er und seine Freunde kaum in eine Bar mit lausigen alkoholfreien Getränken gehen. Stimmt die Qualität, ist der Gast gerne bereit, etwas mehr für ein alkoholfreies Craft Beer oder einen Mocktail auszugeben. Weiss er erstmal, dass er in dieser Bar alkoholfreie Alternativen erhält, geht er womöglich öfter auch unter der Woche dorthin.