Schweizer Kirsch entwickelt sich immer mehr zum Luxusprodukt. Für einen Liter guten Kirsch bezahlt man heute schnell einmal zwischen 100 und 350 Schweizer Franken. Deshalb werden die Flascheneinheiten auch immer kleiner… doch wie sieht die Zukunft aus?

Es gibt kein Land der Welt, welches eine derart grosse Kirschensortenvielfalt ausweist wie die Schweiz. Heute spricht man von 800 Sorten insgesamt. Den Grundstein für diese Untersuchung legte bereits im Jahre 1937 Dr. Fritz Kobelt, Botaniker an der eidg. Versuchsanstalt für Obst- Wein- und Gartenbau in Wädenswil, als er systematisch 576 Sorten der deutschen Schweiz bis ins kleinste Detail beschrieb. Das Werk, das gegen 300 Seiten umfasst und detaillierte Abbildungen aufweist, gilt bis heute als «Bibel» für einen passionierten Kirschbrenner. Die Vielfalt der Kirschensorten  ist heute allerdings bedroht. Es gibt immer weniger Obstbauern, welche die Kirschenkultur und Leidenschaft besitzen, Kirschbäume zu pflanzen, die Bäume zu pflegen und die Kirschen zu ernten. Dafür sorgte während der 90er-Jahre die Politik, welche für die WTO-Abkommen nicht nur das Echtheitszeichen opferte – es durften bis zu diesem Zeitpunkt weder Kirsch noch Kirschen  importiert werden –, sondern auch gleich noch die Alkoholmonopolsteuern harmonisierte. Feinsprit, Whisky, Cognac, Rum, Gin und Kirsch werden heute ungeachtet der Rohstoffkosten mit 29 Schweizer Franken pro Liter reinem Alkohol «alle gleich» besteuert.

Geschichte des Kirschs

Vermutlich geht die Geschichte des Schweizer Kirschs bis ins späte Mittelalter zurück. Bekannt ist, dass ein Jahrgangskirsch aus dem Jahre 1824 – von Mathias Fassbind (1778 – 1862) hergestellt  – und später von seinem Sohn Godfroi jünger (1829 – 1879) im Jahre 1857 an der ersten Industrieausstellung in Bern als Rigi-Kirschwasser ausgestellt wurde. Nach Angaben des Vereins «zugerchriesi.ch» schlossen sich 1870 die Chriesibauern und Kirschbrenner zusammen und gründeten die «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», um die Qualität des Kirschs zu verbessern und den  Export anzukurbeln. Die mit unzähligen internationalen Auszeichnungen und Goldmedaillen prämierte Vereinigung unterhielt um 1900 eigene Depots und Agenturen in Europa, Russland, Kleinasien, Nord- und Südamerika sowie in der Karibik. Sogar auf Kuba wurde Zuger Kirsch verkauft. Die Bedeutung des Schweizer Kirschs wurde im Jahre 1949 derart wichtig, dass man für  dieses Produkt sogar ein Echtheitszeichen einführte. In den 50er-Jahren zählte die Schweiz gegen 3,5 Millionen Kirschbäume und bis 1992 durfte weder eine Kirsche noch ein Kirschbrand in die  Schweiz importiert werden. Damit war dieses Produkt landesweit das wohl bestgeschützte Produkt überhaupt. Mit der Aufgabe des Echtheitszeichens und der späteren Steuerharmonisierung folgte der radikale Schnitt. Von den 916 Spirituosengewerbeherstellern im Jahre 1991 schrumpfte die Zahl bis ins Jahr 2010 auf 234. Mit 247 Herstellern im Jahr 2013 scheint nun der Trend gebrochen. Der Bestand an Kirschbäumen in der Schweiz wird heute noch auf ca. 400 000 bis 500 000 Bäume geschätzt…


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