Von wegen höher, schneller, verrückter – Craft Beer muss nicht der craziest shit sein, höllisch hopfig oder mit Pfefferminz und Guavenschalen verfeinert. Im Gegenteil: Klassische Bierstile wie Helles oder Pils liegen voll im Trend.

Als Stone Brewing im kalifornischen San Diego vergangenes Jahr mit und für die Band Metallica ein Bier braute, da haben manche schon ganz schön gestaunt. Darüber, was für ein Bier das war. Ein Pils? Ja, ein Pils. Enter Night Pilsner heisst es und ist ein ziemlich straightes Pils eben. Wow. Warum wow?

Nun: Jahrzehntelang hatte Brauerei-Gründer Greg Koch über die «fizzy, yellow beers» gewütet, die amerikanischen Industriebiere, allesamt Lagerbiere. Untergärig und seinem Empfinden nach unterhopft. Unterirdisch! Langweilig, oll und fade.

Dem setzte Stone abgefahrene, krasse Ales entgegen. Irre viel Hopfen, irre viel Alkohol. Immer in your face. Immer. Und auch bei einer Kollaboration mit (ausgerechnet!) Metallica hätte man es doch voll auf die Zwölf erwartet. Aber nein, es ist ein Pils. Und trifft damit den Zeitgeist.

Nachdem es den Craft-Brauern weltweit lange eigentlich nicht wild genug sein konnte, nachdem den Double IPAs Triple IPAs folgten, Brauereien sich gegenseitig in IBUs (Internationale Bitter Units) und Vol.-% zu überbieten versuchten, nachdem die «Wilden Biere», also spontan vergorene und damit nahezu völlig unberechenbare, komplexe Gesöffe das grosse Thema der Biernerd-Szene wurden, erkennt man nun eine klare Gegenbewegung. Es muss nicht immer mehr von allem sein – es kann auch weniger sein, dafür besser.

Leisere Lagerbiere treten an die Stelle kreischlauter Hopfenbomben, mit gut gemachten, handwerklich fehlerfreien Bieren klassischer Brauarten gewinnt so manche Brauerei mehr Fans als mit dem gewagtesten Anti-Reinheitsgebots-Sud. Und das passiert nicht nur dort, wo man meinen könnte, dass nach Jahrzehnten die Leute des Craft-Bieres überdrüssig würden, sondern auch im Herzen Europas, wo man Craft ja erst seit ein paar Jährchen kennt und so nennt.

Die Craft Beer-Bewegung wirkt in unseren Breiten ein bisschen wie ein Hohlspiegel: Die Begeisterung für die aussergewöhnlichen, «neuen» Biere hat – zumindest bei manchen Menschen, sicherlich nicht bei der breiten Masse, so ehrlich muss man sein – ein neues Bierbewusstsein geschaffen. Sie hat Interesse an einem ehrlichen Produkt geweckt. Bier muss nicht 08/15 sein und aus dem Supermarkt kommen, ist nicht automatisch ein austauschbares Industrieprodukt.

Bier wird von Menschen gemacht, mit Hand und Herz. Vielleicht sogar hier in der Region. Und das ganz egal ob Start-up-mässig seit fünf Jahren oder schon seit 350. Das alles ist ausschlaggebend – und nicht der Bierstil. Craft kann alles sein, von Imperial Stout über Neipa bis Pils.

Zwischen Leber und Milz passt immer, immer, immer ein Pils
Man mag bei Pils reflexartig an die Tschechei denken, Heimat des Pilsener. Oder aber an grosse, internationale Biermarken, die Pils in grünen 0,33-l-Flaschen in so ziemlich jedem Winkel der Erde verkaufen.

Bei beidem mag es einem so gehen wie dem Amerikaner Greg Koch: Langweilig! Ist der erste Gedanke. Dabei ist Pils keineswegs gleich Pils. Innerhalb des Bierstiles geht einiges! Besonders spektakulär und tatsächlich erst wieder seit Aufkommen der Craft Beer-Bewegung ein Thema: Grünhopfen Pilsener.


Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe 3-2019 des Fachmagazins BAR-NEWS.

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