Von Chandra Kurt.

Während in Frankreich selber weniger Champagner konsumiert wird, steigt die globale Nachfrage konstant. Die Schweiz ist solider Kunde unter den Top-Ten-Märkten, sowohl was Menge als auch was Wert anbelangt. Ein Trend ist die vermehrte Produktion von Rosé-, Prestigeund Semi-Sec-Abfüllungen.

Die gilets jaunes Unruhen in Frankreich haben ihre Spuren bis in die Champagne hinterlassen, genauso wie der globale Champagnerdurst. Letztes Jahr sank der Inland-Konsum erneut um 6,5 Millionen Flaschen bei gleichbleibender Tendenz, so dass seit 50 Jahren erstmals ausserhalb Frankreichs mehr Champagner entkorkt wurde, als im Land selber. Es steht 147 Millionen Flaschen versus 154,8 Millionen Flaschen. Da aber mehr hochwertige Weine exportiert werden konnten, erzielte das Gebiet mit 4,887 Billionen Euro (+ 0,2 Prozent) einen neuen Verkaufsrekord. Besonders erfolgreich sind dabei die bekannten Champagnermarken wie Moët & Chandon, Pommery, G.H. Mumm, Veuve Clicquot, Bollinger, Laurent Perrier, Pol Roger oder Taittinger – um einige zu nennen. Ihnen haben wir so manchen aktuellen Weintrend zu verdanken – so etwa «Champagner on the rocks» oder «Champagner mit Extrasüsse».


Die verrückteste Neulancierung stammt zurzeit vom Produzenten G. H. Mumm. In Zusammenarbeit mit dem Designer Octave de Gaulle wurde eine Flasche und Gläser entwickelt, die den Champagnergenuss im Weltraum ermöglicht – so dass künftige Weltraumtouristen auf ihrer Reise auch entsprechend anstossen können. Die Konstruktion gibt den Champagner in einem Aluminium-Ring frei. In der Schwerelosigkeit wird der edle Tropfen zu Schaum und setzt sich als Kugel fest, die dann mit eierbecherartigen Gläsern aufgefangen und genossen werden kann.

Die Welt der Champagne ist endlos gross und endlos schön. Sie ist Jahrhunderte alt, geprägt von der europäischen Geschichte und nach wie vor ein Symbol für den önologischen Erfolg gewisser französischer Weinbauregionen. Die Champagne ist aber auch eine Welt der Kontraste – der Familienbetriebe und der Grosskonzerne, der unbekannten Marken sowie der Luxusmarken, die jedoch alle vom übergeordneten Brand «Champagne» profitieren. Kein Champagner ist günstig, alle haben ihren stolzen Preis und einige kosten fast schon unverschämt viel und das ist möglich, weil dieser Wein eine Art Symbiose zwischen Wein und Statussymbol ist. Bei Genuss eines Schlucks Champagner sollte man jedoch immer bedenken, dass der Wein einen sehr aufwendigen Produktionsprozess hinter sich hat, der bei einem Jahrgangschampagner mindestens drei Jahre dauert – wenn nicht viel länger.

So wie Bordeaux Vorbild für eine Vielzahl an grossen Rotweinen der Welt ist, so ist es der Champagner für andere in der Flasche vergärte Schaumweine. Basis eines jeden Champagners sind die Traubensorten Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Manchmal kommen sie alleine im Wein vor, manchmal werden sie gemischt, aber die Resultate sind so vielfältig und unterschiedlich, wie es Kellereien in der Champagne gibt. Gemeinsam haben sie allerdings eins: Champagner ist der König der Schaumweine und schäumender Luxus.

Dieser Erfolg hat seine Wurzeln im 17. Jahrhundert, als die Winzer der Champagne ihre Weine der Aristokratie und ganz im Speziellen König Ludwig dem XIV schenkten. Dieser wiederum war von diesen önologischen Erzeugnissen derart erfreut, dass er sie am ganzen Hof einführte und die Champagne unter seinen persönlichen Schutz stellte. Ein weiterer Meilenstein für den Erfolg dieser französischen Erfindung war der frühe Export in andere Märkte.

Dank Weinliebhabern in allen Ländern, wurde Champagner von Hof zu Hof weiterempfohlen und galt schon bald als das Getränk der Aristokratie. Besonders erfolgreich war hier die Witwe Clicquot, die ihren Champagner 1811 in St. Petersburg am Hof des Zaren einführte. Heute wird über die Hälfte der jährlichen Produktion exportiert – auch zu uns, sind wir doch seit Jahren solider Markt unter den Top-Ten-Exportmärkten.

Champagne – Facts und Figures

 

Verkäufe nach Stilistik Volumen (2018) Wert (2018)
Jahrgangsloser Champagner 84.6 % 73.8 %
Rosé Champagner 9.7 % 12.3 %
Prestige Cuvée 2.8 % 10.8 %
Dosage süsser als Brut 1.2 % 1.1 %
Dosage trockener als Brut 0.3 % 0.4 %
Jahrgangs-Champagner 1.4 % 1.7 %

 

Export nach Land in Mio. € in Mio. 0.75-l-Flaschen
USA 577 (-1.5 %) 23.7 (+2.7 %)
UK 406 (-2.2 %) 26.8 (-3.6 %)
Japan 319 (+3.9 %) 13.6 (+5.5 %)
Deutschland 203 (+3.1 %) 12.1 (-1.1 %)
Italien 159 (+4.2 %) 7.4 (-0.1 %)
Belgien 145 (+1.9 %) 9.1 (+0.2 %)
Australien 123 (-6.4 %) 8.4 (-1.9 %)
Schweiz 121 (+7.9 %) 5.8 (+3.2 %)
China 99 (+10.3 %) 4.7 (+9.1 %)
Spanien 85 (+2.9 %) 4.2 (+1.4 %)

34 300 ha

beträgt die gepflanzte Rebfläche. Dies entspricht 4 % der französischen und 0,4 % der globalen Rebfläche

140

Kooperativen

320

Champagnerhäuser

15’800

Winzer

4278

unabhängige Champagnerproduzenten

90 % des Landes

ist im Besitz unabhängiger Champagnerproduzenten

70 % des Champagners

wird von den Champagner-Häusern produziert

73 % aller Exporte

stammt von den Champagnerhäusern

€ 4,9 Milliarden

beträgt der Turnover 2018, was 22 % des französischen Exportwerts entspricht