Gin & Tonic, Vodka Lemon, Cuba Libre und Whiskey Cola. Könnte die Kommunikation zwischen Barkeeper und Gast nicht immer so einfach sein? Der Gast weiss was er will, der Gast weiss was er erhält – und der Barkeeper hat den Drink in wenigen Handgriffen gemixt. Trotzdem hat der Longdrink in den letzten Jahren etwas von seiner lockeren Einfachheit verloren. Er heisst auch nicht mehr so. Heute heisst seine Excellenz «Highball».

Bier und Wein ab sechzehn, Spirituosen ab achtzehn. Dies ist jeweils das Mindestalter für alkoholhaltige Getränke. Sprechen Barkeeper oder Journalisten über Alkohol, so sprechen sie gerne über den letzten Single Malt, den sie getrunken haben, das wachsende Angebot von Wermut oder die Mixability von Rum. Themen, mit denen sich Jugendliche kaum befassen, wenn sie das erste Mal Spirituosen konsumieren dürfen. Im Discounter kaufen sie den zweitbilligsten Vodka oder den Whiskey, den sie kennen, und mischen ihn mit der Limonade ihrer Wahl. Garantiert günstiger als im Club, wo der Longdrink gleichviel oder gar mehr kostet, als ein Cocktail in der hippen Cocktailbar. Wie häufig kommt es zudem noch vor, dass sowohl für die Spirituose als auch für den Filler, wenn dieser denn tatsächlich à part serviert wird, der volle Preis bezahlt werden muss?

Die Gegenkultur, die bereits vor Jahren hochwertige Longdrinks propagierte, ist heute längst Mainstream. Woran man das erkennt? Heute stehen sogar in den Regalen von Migros, Coop und Denner neben den üblichen verdächtigen Tonics auch Premium Mixers. Seit Jahren sinkt der Spirituosenkonsum während gleichzeitig die Endkonsumenten für Spirituosenhändler wichtiger werden, da deren Anteil am Gesamtmarkt zunimmt.

Schwierige Zeiten für Mittelmass

Besteht ein Drink aus nur zwei Zutaten, ist es umso wichtiger, welche Spirituose bzw. welchen Filler wir aus der Backbar bzw. der Kühlschublade ziehen. Es ist noch gar nicht lange her, als dort einzig Schweppes zu finden war. Später kamen die neuen Tonics, wie jene von Fentimans, Fever Tree, Thomas Henry etc. dazu. Heute leben wir in einem neuen Filler-Zeitalter, welches von drei Entwicklungen geprägt ist.

Markteintritt Soft-Drink-Produzenten
Grosse Produzenten, die sich früher noch nicht im Filler-Markt bewegt hatten, sind mit eigenen Marken auf den Zug aufgesprungen. Gemeint sind etwa die Royal Bliss-Linie von Coca-Cola oder auch die Organics von Red Bull.

Schweizer Gin? Schweizer Tonic!
Das Lokale wird immer wichtiger. Zu einem Schweizer Gin trinkt man heute das dazu passende Schweizer Tonic. Gut möglich, dass Gin und Tonic Water in der gleichen Stadt produziert wurden. Marken wie Gents oder Swiss Mountain Spring findet man heute in der ganzen Schweiz, andere bleiben eher regional wie zum Beispiel das Tom’s Tonic.

Explodierende Produktvielfalt
Kaum mehr ein Produzent hat nur ein Tonic, ein Bitter Lemon, ein Ginger Ale und ein Ginger Beer. Mediterranean Tonic, African Roots Ginger Brew, Cold Brew Tonic und Tonicum Soda sind allesamt neue Produkte, welche die Grenzen der jeweiligen Kategorien ausweiten.

Das breitere Tonic-Angebot macht paradoxerweise die Kommunikation mit dem Gast eher einfacher. Wollen Bars verschiedene Tonics zum Gin anbieten können, so müssen sie heute nicht mehr von mehreren Anbietern das eine Tonic beziehen. Viele führen vielleicht noch ein oder zwei Brands, dafür verschiedene Tonics innerhalb dieser Linie. Es ist einfacher, einem Gast den Unterschied zwischen einem Mediterranean Tonic und einem Ginger & Lemongrass Tonic zu erklären, als den Unterschied zwischen den klassischen Tonic Water von Schweppes, Thomas Henry und Fever Tree.


Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe 4-2019 des Fachmagazins BAR-NEWS.

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