von Jürgen Deibel.

Kommt nun endlich die lang erwartete Renaissance der Weinbrände? Cognac wächst mit zweistelligen Zuwachsraten in den USA und in Fernost, Armagnac macht mit einer PR-Offensive in den USA sehr auf sich aufmerksam und auch die spanischen Brandy de Jerez versuchen mit neuen Abfüllungen die Märkte wieder einmal von sich zu überzeugen.

Folgt man den Veröffentlichungen der Verbände und einiger Marken, kann man den Eindruck gewinnen, dass die nächste Welle der Trends in Europa kaum um diese Produktkategorien herumkommen wird. Zu Recht?

Schon seit geraumer Zeit spricht man von der Wiederentdeckung der Weinbrände, allen voran des Cognacs. Damit verbundene steigende Absatzzahlen in den USA und Fernost lassen dies auch für unsere Breitengrade wahrscheinlich erscheinen. Hier muss man aber vorsichtig argumentieren, denn anstelle von Wachstumszahlen steht in Europa «nur» ein Rückgang der in den vergangenen Jahren stetig fallenden Absatzzahlen.

Bewirkt wird dies unter anderem durch eine Tendenz zur Rückbesinnung auf die Werte des Cognacs und Armagnacs. Man erwartet, dass auch in Europa die Talsohle erreicht ist und in Zukunft wieder steigende Absatzzahlen zu verzeichnen sind. Ein durchaus realistisches Szenario, das auch auf der Rückbesinnung von Tradition und Qualität beruht.

Cognac und Armagnac, die beiden französischen Vertreter der bekanntesten Weinbrände, machen seit vielen Jahren sehr viel, um die Bekanntheit und Anwendung dieser beiden Kultspirituosen zu fördern und das Image des «Alte-Leute-Getränks» endlich vergessen zu machen. Und einiges davon zeigt Wirkung. So findet man den Cognac und auch den Armagnac immer mehr auf den Getränkekarten der guten Bars und Restaurants wieder als Mixzutat und nicht ausschliesslich als Digestif.

Cognac-Mix-Wettbewerbe, aber auch die Rückbesinnung auf die klassischen Cocktails, mit Brandy als einer der ersten Mix-spirituosen, haben hier sicher ihren Beitrag geleistet. Diesen «Trend» haben zuerst die US-amerikanischen Bartender erkannt und von dort ist die Rückbesinnung auf diese klassischen Cocktails seit einigen Jahren auch bei uns in Mitteleuropa wieder gekommen.

Cognac und Armagnac neu denken

Ebenfalls dazu beigetragen hat sicher auch die «Verjüngung der Denkweise» einiger Cognac-Hersteller. Nicht mehr nur traditionelle Sortenklischees und Einteilungen in VS-, VSOP und XO-Kategorien werden von diesen heute zelebriert und endlos wiederholt, sondern man versucht durch innovative Denkweisen den Cognac (und in gewisser Weise auch den Armagnac) neu zu beleben.

Als Beispiel seien hier einerseits die Möglichkeiten des «Finishings» angesprochen, die, nach langem Zögern und Überlegen des Verbandes der Cognacproduzenten, nun zumindest teilweise erlaubt sind. Dies ermöglicht, diese Spirituosenkategorien auf ein vom Konsumenten gefordertes Level zu bringen, welches er schon von anderen Spirituosenkategorien seit langer Zeit kennt (und schätzt).

Die Cognac-Häuser Ferrand und Camus haben hier Pionierarbeit mit Sauternes- und Portwein-Finishes geleistet. Insbesondere Alexandre Gabriel vom Cognac-Haus Ferrand ist ja ein bekennender Liebhaber von Innovationen und wichtiger Antreiber der Bewegung für neue Entwicklungen im Cognac. Mit Sicherheit werden wir aus seinem Haus noch einiges Neue in Zukunft erwarten dürfen.


Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe 1-2019 des Fachmagazins BAR-NEWS.

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