Swissness

Cin Cin in Ticino

Es gibt einen Ort in der Schweiz, wo der Sommer länger und der Winter kürzer ist. Einen Ort, wo an der Uferpromenade die Palmen stehen und wo sich mehr als irgendwo sonst in diesem Land das Leben draussen abspielt. Einen Ort, den man mit allen Sinnen erkunden sollte. In der BAR NEWS-Rubrik Swissness nehmen wir Sie mit ins Tessin, die südlichste Ecke der Schweiz.
Seepromenade Ascona ©Ascona-Locarno Tourism, Alessio Pizzicannella

Das Tessin ist wahrhaftig ein Kanton der Superlative. Durchquert man erst von Norden her den längsten Eisenbahntunnel der Welt, taucht man ein in die Sonnenstube der Schweiz. Mediterranes Klima, pittoreske Dörfer und Städte sowie eine faszinierende Bergwelt locken jedes Wochenende – und insbesondere über die Feiertage – Gäste aus dem In- und Ausland in den Südkanton.

Die Burgen des Kantonshauptortes Bellinzona, die Piazza Grande in Locarno, wo diesen August wider den Umständen das Filmfestival stattfinden konnte und die Seepromenade Asconas mit ihren Gelaterias.

Die wirtschaftliche Hauptstadt Lugano am gleichnamigen See gelegen, eingebettet zwischen den Hausbergen Monte Brè im Osten und San Salvatore im Westen.

Die verzweigten Täler, wie das Verzasca-Tal mit dem Staudamm – wo einst James Bond in Goldeneye mit dem legendären 220 Meter hohen Bungee-Jump in die Geschichte eingegangen ist – und die Badestellen der Gemeinde Lavertezzo, die bei Italienern nach einem Post eines Influencers besonders hoch im Kurs sind.

Das ehemalige Fischerdorf Morcote wurde im Jahr 2016 zur schönsten Gemeinde der Schweiz gewählt.

Der Botanische Park auf den traumhaften Brissago-Inseln. Das ehemalige Fischerdorf Morcote, das im Jahr 2016 zur schönsten Gemeinde gewählt wurde.

Wer das Tessin kennt, wundert sich nicht über die kilometerlangen Staus am Gotthard- Nordportal: wer hat schon nicht Lust auf etwas Italianitá in seinem Leben – auch wenn die Zugfahrt durch den Gotthard Basistunnel die sinnvollere Reiseroute ist.

Tradizione e Terroir

Einmal angekommen ist es an der Zeit, sich voll und ganz den kulinarischen Verführungen, die das Tessin zu bieten hat, hinzugeben. Neben der Tessiner Küche, die neben Klassikern wie Polenta, Risotto auch mit genialen Käsesorten auftrumpft, wollen wir an dieser Stelle die liquiden Spezialitäten hervorheben.

Angefangen beim Caffè, der sich in Intensität und Länge schon immer am Vorbild aus Italien orientiert hat und kaum je als «kurzes Café Crème» anzutreffen ist.

Genial, und daher nicht nur südlich des Gotthards auf den Barkarten, ist die kohlensäurehaltige Erfrischung Gazzosa. Abgefüllt in Mehrweg-Bügelflaschen und in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Heidelbeere, Aranciata Amara etc. erfreuen diese Limonaden Jung und Alt.

Genial, und daher nicht nur südlich des Gotthards auf den Barkarten, ist die kohlensäurehaltige Erfrischung Gazzosa.

Für einen gelungenen Abend im Tessin darf ein guter Digestivo nicht fehlen. Grappa aus (Merlot-)Trester oder Acquavite di Uva Americana sind nicht nur die beliebtesten Inhalte von Schnapsgläsern, man verwendet diese Produkte auch für die Herstellung von Nocino bzw. Ratafiá.

Dazu werden traditionell in der Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni grüne, unreife Baumnüsse geerntet. Die Früchte, die zu diesem Zeitpunkt ihre hölzerne Schale noch nicht entwickelt haben, werden geschnitten und wandern mit einer geheimen Mischung aus Zucker, Gewürzen und Zitrusfrüchten in einen mit Grappa gefüllten, gläsernen Behälter.

Exakt 40 Tage darf die regelmässig gerührte Mischung die Tessiner Sommersonne geniessen, ehe der dann schwarz gefärbte Likör filtriert und abgefüllt wird. In seltenen Fällen wird die mit Grappa durchtränkte Kräutermischung ein weiteres Mal mit Rotwein angesetzt. Daraus wird ein genialer, aromatisierter Dessertwein, für den man unterschiedliche Begriffe wie Vino di Nocino, Nocino Doppio oder Nociato verwendet.

Viele Tessiner, die einen Nussbaum oder eine mit Reben bewachsene Pergola ihr Eigen nennen, stellen daraus ihre eigenen Produkte her. In vielen Dörfern steht eine Distillerie, die als Consorzium oder Verein organisiert ist, wo Private ihre eigenen Früchte brennen können.

Die Badestellen der Gemeinde Lavertezzo sind bei Italienern nach einem Post eines Influencers besonders hoch im Kurs.

Auch beim Nocino handelt es sich nicht selten um einen selbst hergestellten Likör, dessen Rezept sich von Familie zu Familie unterscheiden wird.

In Läden, Restaurants und Bars hingegen trifft man die Produkte von professionellen Anbietern. Dazu gehören nicht nur die professionellen Distillerien, sondern auch viele Weingüter, die ihr Sortiment mit Grappa aus dem eigenen Trester oder Nocino erweitert haben.

Neben dem Wein kommen im Tessin auch Bier-Liebhaberinnen und -Liebhaber auf ihre Kosten. Die Craft Beer-Szene zeigt sich mit Top-Brauereien und Craft- Beer-Bars von besten Seite und hat den Weinkanton in den letzten Jahrzehnten mächtig aufgemischt.

In vielen Dörfern steht eine Distillerie, die als Consorzium oder Verein organisiert ist, wo Private ihre eigenen Früchte brennen können.

Mit Bisbino (Gin und Bitter) und der Manifattura Branchi (Nocino und Limoncello) haben es zudem zwei innovative Spirituosenproduzenten in die Bars auf beiden Seiten des Gotthards geschafft.

Doch auch das breite Grappa-Sortiment von Delea oder Gins, Whisky und Reisschnaps aus lokalem Reis von Terreni alla Maggia gehören zu den hochprozentigen Spezialitäten der Region.

Ein Schluck Tessin verführt den Geist mit mehr als nur komplexen, vielfältigen Aromen. Er verströmt gleichzeitig Sonne, Dolce Vita und beste Tessiner Gastfreundschaft.

Dieser Artikel erschien in
Ausgabe 4-2021

BAR NEWS-Magazin als Einzelausgabe

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