Vor 30 Jahren verschlug es die gebürtige Kanadierin Barb Grossenbacher-White ins Entlebuch. In der gleichnamigen Gemeinde führte sie mit ihrem Mann während knapp zwei Jahrzehnten den Landgasthof Drei Könige.

Als er im Alter von 60 Jahren beruflich kürzertreten wollte, war es an Barb Grossenbacher nachzudenken: was nun?

Die Gastronomin war immer auch schon Geniesserin. Wein faszinierte sie seit jeher und so beschloss sie, sich für eine Ausbildung zur Weinakademikerin einzuschreiben. Für den vierten Kurs der Ausbildung reiste sie ins österreichische Rust am Neusiedlersee. Dort erhielten die Kursteilnehmenden die Aufgabe, in 3 000 Worten eine Arbeit zum Thema «The Renaissance of Gin» zu verfassen. Das war im Jahre 2015.

Als es später dann um die Themenwahl für die Diplomarbeit ging (Spirituosen oder Wein), liessen ihre Gedanken die Thematik Gin nicht los. Und plötzlich stand die Idee im Raum: «Jetzt gehe ich einen Schritt weiter. Jetzt stelle ich ein eigenes Produkt auf die Beine.» Sofort wusste sie, dass sich dieses um den Mittelpunkt ihrer Wahlheimat drehen musste – das Entlebuch – die Region, wo die klassischen Schweizer Brände zu Hause sind.

«Plötzlich sah ich den Zusammenhang zwischen Gin und den Botanicals, die im Entlebuch wachsen. Als erstes musste ich mir fachliche Unterstützung in der Destillation und der Kräuterkunde beschaffen.» Sowohl beim Dorfbrenner Bruno Limacher, der bereits in der 3. Generation als Lohnbrenner arbeitet, und bei der bekannten Aromatherapeutin und Heilkräuterfachfrau Sandra Limacher stiess sie auf offene Ohren.

Die Seele des Entlebuchs – in einer Flasche Gin

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Barb Grossenbacher mit Lohnbrenner Bruno Limacher

Als nächstes ging es ans Experimentieren. Zusammen mit der Kräuterspezialistin wurden bis zu 40 verschiedene Kompositionen ausprobiert und wiederholt degustiert. Danach ging es mit dem finalen Rezept zum Brenner. «Wie viele Flaschen?», fragte dieser. «Max. 50 Flaschen, inklusive vier Stück für die Juroren der Diplomarbeit. Darum geht es uns ja schlussendlich», erwiderte Grossenbacher.

Doch da die Kapazität des Brennofens 143 Liter betrug, entschied sie sich für die Produktion von gleich 500 Flaschen mit der Idee, diese später zu verkaufen. Doch während die Beschaffung der Zutaten für einen halben Liter mit relativ wenig Aufwand bewältigt werden kann, so benötigte Grossenbacher für die 143 Liter einen neuen Partner und diesen fand sie in der Region.

Vor einigen Jahren hatten sich 15 Entlebucher Bauernfamilien zur Kräuteranbaugenossenschaft zusammengeschlossen. «Somit stammen 14 der 27 Botanicals aus dem Entlebuch. Dies war uns sehr wichtig.» Am Brenntag musste die nächste Entscheidung getroffen werden. Auf welchen Alkoholgehalt wollte man den Gin herabsetzen. Die ideale Trinkstärke hatte er bei 42 Vol.-%.

«Die Namensgebung war der nächste Schritt. Der ledige Name von Barb Grossenbacher ist White und wir suchten etwas mit Schweiz und Natur. Zudem musste ja auch etwas Edles in die Flasche – also wählten wir Edelwhite Gin.»

Begeisterung bei der Diplomarbeit . . . und beim IWSC

Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Diplomarbeit inkl. der persönlichen Gin-Präsentation brachte Höchstnoten. Grossenbacher schickte den Gin auch nach London zum IWSC, wo er auf Anhieb mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. «Dies alles machte uns etwas sprachlos.» Plötzlich wurde über den Edelwhite Gin geschrieben.

Die Nachfrage war so gross, dass die Produktion nach kurzer Zeit verdoppelt werden musste. Doch auch diese Charge war bald weg. Vom Erfolg beflügelt wurde gar ein Navy Strength Gin lanciert. Im Unterschied zu den fruchtig-floralen Noten des Edelwhite Gin (42 Vol.-%) stehen beim Navy Strength (57 Vol.-%) die würzigen Noten von Kardamom, Ingwer und Koriander im Vordergrund.

Wie geht’s weiter?

Ende Jahr wird Edelwhite Gin in der Gemeinde Ebnet an einem Neubauprojekt partizipieren, wo auch die lokale Brauerei Entlebucher Bier einziehen wird. Die Eröffnung ist per 1. Mai 2020 geplant. «Auf der Produkteseite sind wir am überlegen, ob wir einen Gin-Likör entwickeln möchten, zudem werden wir den Ausbau im Holzfass prüfen.»

Der Export sei für den «One Woman»-Betrieb noch kein Thema, da es in der Startphase den heimischen Markt für sich zu gewinnen gilt. Zu einem späteren Zeitpunkt kann aber auch der Export von Edelwhite Gin ein Thema sein. Aus dem Entlebuch wird noch einiges über Gin zu hören und zu geniessen sein!

Edelwhite Gin, Hasle
edelwhitegin.com