Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschlüsse des Bundesrats hat eine Situation geschaffen, die es so noch nie gegeben hat. Sämtliche Bars und Restaurants wurden am 17. März 2020 vorübergehend geschlossen.

Besonders hart trifft es jene, die ihren Betrieb erst seit Kurzem geöffnet haben – oder aufgrund der Situation gar nicht erst öffnen konnten. Auch Betriebe, die sich in den letzten Jahren ein finanzielles Polster aufgebaut haben, kommen oft nicht um einen Kredit herum. Die Umsatzeinbussen haben einen unmittelbaren Einfluss auf den Cashflow – flüssige Mittel fehlen, um Rechnungen, Löhne, Mieten zu bezahlen.

Der Betrieb wird auf ein Minimum heruntergefahren, eine Notiz an die Eingangstüre gehängt, Kühlsysteme ausgeschaltet, frische Lebensmittel verschenkt oder verarbeitet, danach folgen administrative Arbeiten, Verhandlungen mit dem Vermieter betreffend Stundung oder gar Reduktion des Mietzinses, das Anmelden von Kurzarbeit etc.

Was tun während der Krise?

Doch was tun, wenn alle administrativen Arbeiten abgeschlossen sind und die Bar blitzblank geputzt ist? In Bern liefert die Kreissaal Bar seit dem 26. März Cocktails direkt vor die Haustüre. Der Aufruf auf Facebook und Instagram stiess auf Resonanz und am ersten Wochenende lieferten die Barkeeper à la Minute zubereitete Cocktails – abgefüllt in Pet-Flaschen, à part dazu Eis und Cocktail-Schirmchen. Die Drinks sind schnell zubereitet, doch bald musste ein zweiter Chauffeur daher, um die bestellten Cocktails auszuliefern. Hygiene ist oberstes Gebot, so tragen die Fahrer Masken und Handschuhe, Kunden können dank mobilen Kreditkarten-Terminals mit Plastik bezahlen. «Natürlich machen wir damit niemals die ausgefallenen Umsätze wett», sagt Michael Hugi, Mitinhaber des Kreissaals. Doch die Aktion sei als Marketing-Massnahme zu verstehen und mit der aktuellen Bestellmenge von 50 bis 60 Cocktails pro Abend sind die variablen Kosten zumindest gedeckt.

Stammgäste sollen ihr Lieblingslokal in Erinnerung behalten, sodass diese die Bar wieder besuchen, wenn sie denn dürfen. Das sieht auch Dirk Hany von der Bar am Wasser so: «Es geht jetzt nicht darum, Geld zu verdienen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam durch diese Krise kommen.» Kurzerhand rief er deshalb den YouTube- Kanal Bar am Wasser-TV ins Leben. «Darin zeigen wir Mix-Rezepte von Klassikern und unseren eigenen Kreationen, um die Leute zu animieren und zu unterhalten», so der Geschäftsführer der preisgekrönten Bar. Geplant sind 40 bis 50 Videos, die im Intervall von zwei bis drei Tagen geteilt werden. Die Angestellten der Bar am Wasser arbeiten weiterhin einen Tag pro Woche im Lokal, wo sie neben den Videos für den YouTube-Kanal an der neuen Bar-Karte tüfteln, die Bar putzen oder Grusskarten an Stammgäste schreiben. Weiter unterstützen die Mitarbeitenden ihre Lieferanten. Weil der Markt am Bürkliplatz nicht stattfinden kann, bringen die Barkeeper deren Gemüse und Früchte den Zürcherinnen und Zürchern bis vor die Haustüre.

Rückkehr zur Normalität

In Basel hätte im April die Basler Cocktail Competition stattfinden sollen. Auch hier warten Barkeeper sehnlichst darauf, bald wieder Gäste bedienen zu dürfen. Die Situation ist für alle anspruchsvoll und niemand weiss, wann der Ausnahmezustand aufgehoben wird. «Wenn die jetzige Situation länger anhält, schauen wir, dass wir im Bereich Weiterbildung der Mitarbeitenden etwas machen können», sagt Pascal Kunz, der neben der bestehenden Hinz & Kunz Bar vor einigen Monaten das Pot Still am Barfüsserplatz eröffnet hat. Alternative Einnahmen wie ein Take-Away-Angebot wären für den Basler verantwortungslos gewesen. Das sahen auch diverse Lokale ein, die ihren Take-Away-Betrieb nach kurzer Zeit wieder geschlossen haben.

Bis die «Zeit danach» beginnt, gilt es, die aktuelle Situation kreativ und produktiv zu nutzen. Wann, wenn nicht jetzt, lassen sich jene Aufgaben erledigen, die man eine halbe Ewigkeit vor sich hergeschoben hat? Das Überarbeiten der Getränkekarte, das Lesen von Fachbüchern und -zeitschriften, das Experimentieren mit neuen Zutaten und das Aufbauen oder Aktualisieren von Online-Kanälen. Diese Krise betrifft uns alle – bewältigen wir sie gemeinsam!