Die gebürtige Deutsche schafft an einem der schönsten Arbeitsrefugien der Schweiz. Seit beinahe zwölf Jahren zeichnet Stefanie Baier als Barmanagerin des Beach Clubs, der Rum Lounge sowie Louis Bar im Luzerner Art Deco Hotel Montana verantwortlich. «Das ist mein Platz», war sie sich bereits zu Beginn sicher. Dieses Gefühl hegt die Wahlschweizerin mit einem Whisky-Pass in der Tasche bis heute.

Eigentlich erlernt Stefanie Baier in ihrer alten Heimat im deutschen Würzburg einen ganz anderen Beruf als jenen, den sie heute mit grosser Begeisterung an einem herausragenden Arbeitsplatz ausübt. Ursprünglich ist die Würzburgerin Einzelhandelsfachfrau im Fotofachbereich, verkauft Fotokameras samt Zubehör und fotografiert selbst gerne. Zudem absolviert sie eine Ausbildung in Mediengestaltung und verdient sich ihre ersten Sporen in der Werbebranche.

Nach dem Konkurs zweier Werbeagenturen, in denen sie gearbeitet hat, beschliesst sie, dem Ruf ihrer Schwester in die Schweiz zu folgen. Baier packt ihre sieben Sachen und landet bei den Eidgenossen in Luzern. «Ich habe schon während meiner Ausbildung mein Taschengeld durch verschiedene Tätigkeiten in der Gastronomie aufgebessert», denkt sie an ihre ersten Erfahrungen in dieser Branche zurück.

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Louis Bar, Hemingway Rum Lounge
(Hotel Montana)
Adligenswilerstrasse 22, Luzern
hotel-montana.ch

Daher wählt die Wahlschweizerin diesen Einstieg und heuert im Art Deco Hotel Montana an. Dort, wo sie bis zum jetzigen Zeitpunkt verblieben ist. «Da will ich sein, das ist mein Platz», manifestiert sich in ihr, als sie als Servicemitarbeiterin in den höher gelegenen Hotelbetrieb einsteigt. Nach einem halben Jahr «in der Warteschleife im Service» ergibt sich für sie die Gelegenheit, sich an der Bar zu entwickeln und nach nur einem Jahr zur Stellvertreterin der drei Hausbars zu avancieren.

Ziemlich bald darauf zeichnet sie bereits als Barmanagerin verantwortlich. «Seither bin ich kontinuierlich als solche für den Beach Club auf der Terrasse, die Rum Lounge und Louis Bar zuständig », sagt Stefanie Baier, die kein Bedürfnis verspürt, aus der Schweiz wegzugehen. «Ich bin hier und in diesem Hotel angekommen», ist sie überzeugt. Schlichtweg ihr deutscher Dialekt und die «offene, direkte Art» lassen auf die Herkunft aus dem Nachbarland schliessen.
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Seit beinahe zwölf Jahren steht Stefanie Baier ihren Mann als Barmanagerin in dem von der Sonntagszeitung zum Hotel des Jahres 2018 / 19 gewählten Art Deco Luxusbetrieb mit Panoramablick auf die Bergkette und den Vierwaldstättersee. «Das Schöne an einer Hotelbar ist der Gäste- Mix», sagt sie und erläutert: «Unser Publikum ist international. Aber auch viele Stadtluzerner kommen zu uns in das Hotel. Es gibt keine Blockade, man traut sich hoch zu uns, egal ob Alt oder Jung, Reich oder Arm».

Baier liebt den Kontakt und Austausch mit Menschen, die unterschiedlichen Begegnungen, abwechslungsreichen Momente und täglich andersartigen Herausforderungen. In der Kunst des Bartending hat sie ihren Entfaltungsbereich und eine grosse Leidenschaft für Whiskys entdeckt. «Als ich angefangen habe, kannte ich gerade mal ungefähr vier Whisky-Sorten», erinnert sich Baier, die im Zuge ihrer gewachsenen Begeisterung für diese Spirituose einen eigenen Whisky-Pass für Gäste entwickelt hat.

«Spielerisch schicken wir sie auf eine imaginäre Reise durch die schottischen Low- und Highlands, vermerken Degustationsnotizen, erteilen ein Visum und geben ihnen Souvenirs auf ihre nächste Reise mit», beschreibt Baier das Erlangen des hauseigenen Whisky- Passes, der oftmals als Geschenk von Frauen an ihre Männer gebucht wird.

Stefanie, mit deutschem und natürlich Whisky- Pass, gestaltet die in allen ihrer Bars geltende Barkarte rund um mindestens 130 Whiskys, 60 Rumsorten, Gins sowie klassischen und Signature Cocktails wie den Hemingway Daiquiri. «Jüngere Mitarbeiter zeigen viel Leidenschaft und dürfen sich jederzeit gerne einbringen», schildert sie.

Auch die aktuelle Karte der Hotelbars definiert sich als Gemeinschaftsprojekt. Darauf entdeckt man den «Right Place»-Drink von Baiers jungem Kollegen David Gandert, mit dem er zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen ist. Dieser Cocktail liess Gandert neben seiner Performance zum «Barkeeper of the year» im Rahmen der SWISS BAR AWARDS 2018 werden.

«Es gibt immer wieder Anmachsprüche, die man in ein Kompliment umwandeln und den Umgang damit erlernen kann.

Sie dürfen nur nicht unter der Gürtellinie sein. Dann stehe ich auch hinter meinen Mädels, nicht hinter dem Gast!»

Der Beruf als Barfachfrau hat sich zu Stefanie Baiers beruflicher Leidenschaft entwickelt. «Ich denke oft darüber nach, ob ich in höherem Alter noch an der Bar wirken will, wenn man nicht mehr so knackig aussieht», scherzt sie, «aber im Moment sehe ich keine Alternative», stellt die 41-Jährige fest. Obwohl sie als Barmanagerin nebenher für Organisation, Einkauf oder Diensteinteilung zuständig ist, könnte sie sich keinen reinen Bürojob vorstellen.

«Die Kombination macht’s aus», findet die kommunikative Barkeeperin, die kein Hindernis oder irgendeine Einschränkung sieht, wenn Frauen in der noch immer männerdominierten Branche Fuss fassen wollen. Eine geschlechtliche Diskriminierung oder Benachteiligung habe sie nie erfahren. «Es gibt immer wieder Anmachsprüche, die man in ein Kompliment umwandeln und den Umgang damit erlernen kann. Sie dürfen nur nicht unter der Gürtellinie sein. Dann stehe ich auch hinter meinen Mädels, nicht hinter dem Gast», spricht sie aus langjähriger Erfahrung und freut sich über die ihr seitens des Teams zugedachte «Mutterrolle».

Bestimmt würde der Barberuf mit der Vereinbarkeit von Nachtarbeit und Familie schwierig, aber Kinder hat sie für sich ausgeschlossen: «Das wäre zu viel. Ausserdem habe ich genug um mich herum». Ihre flinken Hände setzt sie nicht nur in den Bars im Art Deco Hotel Montana ein, sondern gerne in ihrem Garten, wo sie in ihrer Freizeit den Shaker gegen den Rechen tauscht und am liebsten von Liegestuhl zu Liegestuhl wandert: «Diese Ruhepause und Zeit mit meinem Partner im Grünen brauche und geniesse ich. Dann freue ich mich wieder auf die unterschiedlichsten Begegnungen mit Menschen».