Nach ihrem ersten Wettbewerb packt sie wider Erwarten das Wettkampffieber. Seither ist Chloé Merz nicht zu stoppen, wurde mehrmals ausgezeichnet und sticht als talentierte Barkeeperin aus der Masse hervor.

Als eine der wenigen Frauen hinter der Theke schlägt sich die Quereinsteigerin nicht durch die Branche. Sie erobert sie. Ganz zufällig. BAR-NEWS hat erfahren, wie die gebürtige Schweizerin dies meistert.

Es liegt gerade einmal zwei Jahre zurück, als die Barszene erstmals auf Chloé Merz, ihr gewinnendes Wesen und ihre Wettbewerbspräsenz aufmerksam geworden ist. Sie selbst hätte damals nach ihrer ersten Barkeeper Challenge nie gedacht, jemals wieder an einem Wettbewerb teilzunehmen.

«Zu viel Aufregung und Nervosität», erinnert sie sich. Doch das Wettkampffieber holt sie ein. Als Vereinsmitglied der Basel BarTender bestreitet sie den ersten hauseigenen Wettkampf und holte sich bei zahlreichen weiteren Competitions teils hervorragende Rangierungen. « Es ist einfach passiert. Ganz zufällig. Und ich komme weiter», meint die Quereinsteigerin mit einem Studienabschluss in Umweltwissenschaften und Geologie der Kalifornischen Universität in Santa Cruz.

In Orange County Kalifornien, dem Geburtsland ihrer Mutter, verbringt sie einen Grossteil ihres bisherigen Lebens, bis es die Familie vor zirka sieben Jahren nach Basel zurückverschlägt. Als 25-Jährige beginnt sie als Laborantin in der Schneephysik-Abteilung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos zu arbeiten.

Doch Chloé Merz beschreibt sich als «absoluten Gastro-Menschen» mit einem besonderen Hang zum Gastgeber-Dasein, das sie schon während ihrer studienbegleitenden Praxis in amerikanischen Restaurants spürt. Nach vier Monaten hängt sie die Laborarbeit an den Nagel und schafft anfangs in einem Schweizer Pistenrestaurant. Um danach ins Barmetier als Quereinsteigerin im Selbststudium und durch die Unterstützung ihrer Kollegen alles darüber zu erfahren.

Das Basler Club- und Konzertlokal Hinterhof Bar und das Conto 4056 sind Stationen der Doppelstaatsbürgerin der Schweiz und USA. Mittlerweile formiert die Barkeeperin mit Christoph Stamm und Roger Grüter die Angles’ Share Bar zu einem Basler «Triumvirat» für gepflegte Cocktailkultur.

«Christoph und Roger sind richtig toll! They are my angels», schwärmt die 33-Jährige, die noch ab und an das Freiburger One Trick Pony beseelt. Gemeinsam setzt das Trio gerade ein sommerliches Bar-Projekt um und holt dazu vielleicht Verstärkung an Bord. Doch mehr verrät die Manhattan-Drink-Liebhaberin nicht.

«Das Schöne an der Bar ist, Gastgeberin zu sein, den Kontakt zu unterschiedlichen Menschen herzustellen und die spannende Kreation von Cocktails bis zum Geht-nicht-mehr.»

«Ich habe Spass an dieser Arbeit sowie daran, auch Gästen Spass zu bieten», so die Bartenderin. In einer männerdominierten Branche steht sie als eine der wenigen ihre Frau. «Frauen sind noch immer unterrepräsentiert, aber schön langsam kommt es, in der Barwie auch Wettbewerbsszene», bemerkt Merz.

Sie findet: «Je mehr Frauen, desto besser. Es ist schön, wenn ich bei einer Competition nicht die einzige Frau bin». Ihrer Meinung nach handeln Frauen intuitiver, kommunizieren, denken anders und unterstützen einander als ‹underdogs› bei Wettbewerben vielleicht sogar ein wenig mehr.

Dass Frau hinter der Bar Erfolg haben kann, hat sie eindrücklich bewiesen. Stets sei ihr Unterstützung sowohl von Männern als auch Frauen zuteil geworden, und das Netzwerken in der Barkeeper-Gemeinschaft exzellent ausgeprägt.

«Eine Frauengruppe tickt anders. Es fühlt sich gut an. Bei den Basel BarTenders gab es die anfängliche Idee eines Ladies’ Networking. Doch warum sollten wir uns von den Kollegen trennen?» Das müsse ihrer Meinung nach nicht zwingend sein, genauso wenig die Geschlechterfrage thematisiert werden.

Warum es aber weniger Frauen hinter den Tresen verschlägt, kann sie nur vermuten: «Vielleicht sind es die langen, nächtlichen Arbeitszeiten. Wir werden dazu erzogen, nicht spät schlafen zu gehen», sagt sie und kann sich schwer vorstellen, dass es jemals in der Barbranche eine Geschlechteraufteilung von 50:50 geben wird.

«Ich liebe es auszuschlafen und geniesse die Tagesfreizeit vor allem im Sommer, von der ich wahrscheinlich mehr habe als Büromenschen»,

fühlt Merz sich in diesem Metier angekommen. Ihre eigene Bar «steht in der Zukunft». Im Jetzt wurzelt sie im Angels‘ Share, Wettkampffieber, in Guest-Bartending-Schichten und anderen Engagements.

Mia Bavandi