Erfolgreiche Quereinsteiger.

BREIL PUR gehörte vor fünf Jahren zu den ersten, die in der Schweiz Gin herstellen liessen. Mit lokalen Botanicals und der Verwendung von Bio-Zutaten begeisterte der Gin der beiden Quereinsteiger Gustav Inglin und Beat Sidler sowohl Konsumenten als auch Barkeeper. Heute sehen sie sich mit einer stark gewachsenen Konkurrenz aus dem In- und Ausland konfrontiert.
Gegenüber BAR-NEWS erklären die beiden Initianten die Geschichte und weshalb sie auch heute noch erfolgreich auf der Gin-Welle reiten.

BAR-NEWS: Vor fünf Jahren haben Sie mit BREIL PUR einen Gin lanciert, der mit lokalen Bio-Produkten hergestellt wird. Waren Sie damals der Zeit voraus?
Gustav Inglin und Beat Sidler: Wir haben den Trend zum besten oder frühest möglichen Zeitpunkt erkannt und auch in sehr nützlicher Frist umgesetzt. Mit Bio und vor allem mit Alpenwacholder waren wir unseres Wissens nach die ersten, zumindest in der Schweiz.

Wie viel Zeit ist von der ersten Idee bis zur ersten Flasche BREIL PUR vergangen?
Ein Jahr und vier Tage. Die Idee hatten wir am 17. Januar 2013 und am 21. Januar 2014 hatten wir den ersten London Dry Gin in der Hand.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen eigenen Gin zu produzieren?
Eigentlich per Zufall, denn wir haben vorher keinen Gin getrunken. Bei einem Bier haben wir uns die Frage gestellt: «Wenn du nach 50 noch etwas Neues machen würdest, was könnte das sein?»

Da wir uns in Breil / Brigels kennengelernt hatten, musste es etwas mit Graubünden zu tun haben, etwas Natürliches und Authentisches. Alles, was wir uns überlegten, gab es jedoch schon. Per Zufall stolperten wir über einen Flyer für ein Gin Tasting. Da kam die Frage auf: «Weshalb machen wir eigentlich keinen Gin?»

Hatten Sie im Vorfeld bereits eine Affinität zur Sensorik oder folgte diese erst später?
Eine Affinität zu Genuss hatten wir beide bereits vorher. Früher waren wir in erster Linie Weinliebhaber. Wir haben dann aber beide den Kurs und die Prüfung zum Spirituosen- Sommelier absolviert.

Wie haben Sie sich das Wissen für die Produktion von Spirituosen angeeignet?
Einerseits eben durch den Sommelier-Kurs, wo es ja auch um die Herstellung von Spirituosen geht. Zusätzlich über Bücher und «learning by doing» sowie über unseren Lohnbrenner Gion Candinas. Dazu kam Dr. David Clutton, der «Gin-Papst» aus England, der mit uns die Rezeptur entwickelt hat.

Welche Bereiche aus Ihrem früheren Tätigkeitsumfeld haben Ihnen beim Projekt BREIL PUR geholfen?
Vom Know-how aus dem Konsumgüterbereich konnte man sicher profitieren. Die Führungserfahrung hingegen brachte fast gar nichts. Viel mehr musste man selber Experte in allen Bereichen – Produktion, Spedition, rechtliche Fragestellungen etc. – werden. Hilfreich war auch die Erfahrung im Umgang mit Menschen verschiedener Kulturen. Der Brenner ist etwa ein anderer Typ Mensch als der Marketing-Experte eines Distributionspartners.

Menschenkenntnisse waren folglich zentral?
Garantiert. Aber man muss auch der Typ Mensch sein, der über 50 noch die Ärmel hochkrempeln und sich in Details vertiefen kann.

Wir haben den Trend zum besten oder frühest möglichen Zeitpunkt erkannt und auch in sehr nützlicher Frist umgesetzt.

Gab es vor der Lancierung Momente, in welchen Sie nur noch alles an den Nagel hängen wollten?
Es gab vielleicht kritische Punkte, etwa die Bio-Zertifizierung, aber es ist immer wieder ein Türchen aufgegangen. Nach der Lancierung hatten wir das Glück, dass es mit BREIL PUR stets bergauf ging. Hätte das Projekt nach ein bis zwei Jahren nicht angezogen, hätten wir es fallen gelassen. Für uns war es nie ein Hobby; eine professionelle Umsetzung war stets Grundvoraussetzung.

Gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden?
Ja (lacht). Als wir auf den Markt gekommen sind, gab es eine Flaschengrösse und die war 700 ml. Nach uns sind aber fast alle neuen Gins mit der Flaschengrösse 500 ml erschienen, natürlich um mehr Spielraum bei der Preisgestaltung zu haben. Optisch gesehen sind wir mit unseren 700 ml etwa gleich teuer wie andere mit 500 ml.

Nach dem klassischen London Dry Gin folgten ein Sloe Gin und ein Old Tom Gin.
Bei BREIL PUR ging es darum, auf die klassische Gin-Kultur Englands aufzubauen, da gehört Sloe Gin und Old Tom Gin dazu. Bei letzterem kann man auch von Pioniergeist sprechen, denn zum Süssen haben wir anstatt konventionellem Zucker Honig verwendet.

Wie sieht es mit Produkten ausserhalb des Gin-Markts aus?
Wir wurden immer wieder gefragt, weshalb wir z. B. keinen Whisky lancieren, wir haben uns aber stets dagegen entschieden.

Ein Nachtfalter ziert die Flaschen von BREIL PUR. Was ist die Geschichte dahinter?
Dabei handelt es sich um den Nadelholz-Rindenspanner, der sich als Raupe fast ausschliesslich von Wacholder ernährt. So ist er – nicht ganz zufällig – unser Markenbotschafter worden.

Drei Botanicals sind aus der Schweiz und Bio-zertifiziert. Wie sieht es mit den anderen Botanicals aus?
Es gibt noch solche, die ebenfalls in der Schweiz angebaut wurden. Zudem verwenden wir noch einige Exoten, die wir jedoch nicht offenlegen. Beim Sloe Gin kommen die Schlehen aus der Schweiz und für den Old Tom Gin verwenden wir Honig aus dem bündnerischen Tenna im Safiental.

Welche Tonics passen besonders gut zum BREIL PUR London Dry Gin?
Da gehen die Geschmäcker auch bei uns etwas auseinander. 1724, Fever Tree oder Swiss Mountain Spring passen eigentlich alle sehr gut. Den Kunden, die uns diese Frage stellen, geben wir eigentlich immer dieselbe Empfehlung: Probiert es aus.

Aus was besteht das Destillat für BREIL PUR?
Bio-Weizen.

In den letzten fünf Jahren sind sehr viele Schweizer Gins auf den Markt gekommen. Wie beurteilen Sie den Gin-Markt Schweiz?
Als wir mit BREIL PUR gestartet sind, war der Markt noch relativ ruhig. Clouds Gin startete etwa zur selben Zeit wie wir, später folgten Nginious und Turicum. Bis die Grossen den Trend bemerkten passierte fast nichts. Jetzt sind wir in der Phase, wo jeder das Gefühl hat, er müsse auch seinen eigenen Gin kreieren. Es ist auch für uns sehr undurchsichtig geworden, was nun auf den Markt kommt.

Manchmal fühlen wir uns auch schamlos kopiert. Eine wichtige Rolle spielen nur wenige Anbieter. Viele machen ihren Gin für sich und das persönliche Umfeld, kaufen ein paar hundert oder tausend Flaschen und sind dann in erster Linie lokal vertreten. Für uns war es von Beginn an zentral, ein nationales, zu einem gewissen Grad auch internationales Distributionsnetz zu haben.

Heute ist BREIL PUR in der Deutschschweiz sehr gut vertreten. Wie sieht es in der Romandie aus?
Die Westschweiz und das Tessin sind sicher Regionen, wo wir noch zulegen könnten . . .

BREIL PUR ist auch im Ausland erhältlich. Wie kommt BREIL PUR zum Beispiel nach Kolumbien?
Wir haben dafür eigentlich zwei Modelle. Entweder wir übernehmen die Spedition oder es sind (wie im Fall Kolumbien) unsere Partner, die effektiv importieren. Für eine intensive internationale Marktbearbeitung fehlen uns die erforderlichen Ressourcen.

Wir haben das Credo, nur das auszugeben, was wir einnehmen – sprich, wir haben kein Fremdkapital im Unternehmen.

Was würden Sie jemandem auf den Weg mitgeben, der als Quereinsteiger ein vergleichbares Projekt umsetzen möchte?
Man soll keine falsche Angst haben, wenn man etwas nicht kann. Denn man kann alles lernen, wenn man es wirklich will. Zudem ein wenig Kreativität und ökonomisches Denken. Was auch hilft ist, wenn man das Produkt aus Sicht des Konsumenten sieht.

In fünf Jahren feiern wir das zehnjährige BREIL-PUR-Jubiläum und haben die Pensionierung in Sichtweite. Hoffentlich haben wir bis dann unsere Nachfolge bestimmt . . .

Wo sehen Sie BREIL PUR in fünf Jahren?
In fünf Jahren feiern wir das zehnjährige BREIL-PUR-Jubiläum und haben die Pensionierung in Sichtweite. Hoffentlich haben wir bis dann unsere Nachfolge bestimmt . . .

Was trinken Sie ausser Gin und Rotwein besonders gerne?
Durch den Spirituosen-Sommelier-Kurs haben wir beide den Zugang zu anderen Spirituosen gefunden. Sehr gerne probieren wir andere Gins, Rum oder je nachdem Whisky. Welches ist Ihr Lieblings Gin-Cocktail? Ganz klar Negroni, aber ab und an darf es auch ein Dry Martini sein – aber halt gerne auch einfach einen simplen Gin & Tonic.

BEAT SIDLER

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1963, verheiratet, Wirtschaftsjurist
2 Söhne (24) und (28)
Hobbys: Fussball, Kulinarik, Golf

GUSTAV INGLIN

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1962, verheiratet, ehemaliger Banker
1 Sohn (33) und eine Tochter (32)
Hobbys: Golfen, Skifahren, Velofahren, Lesen