Vodka - Mehr als ein Wässerlein
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- Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 14. Februar 2012 17:34
- Veröffentlicht am Samstag, 12. Februar 2011 01:00
Von Jürgen Deibel
Die amerikanische Behörde BATF (Bureau for alcohol, tobacco, firearms and explosives!) definiert Vodka als farblose, geruchlose und geschmacksneutrale Spirituose mit mindestens 37,5 Vol-% Alkohol. Basierend
auf dieser Definition sind Generationen von Barkeepern und Endkunden im Glauben aufgewachsen, dass dies stimmt und Vodka keinen Geschmack hat und nicht zum puren Genuss geeignet ist! Erst innerhalb der letzten Jahre setzt das Bewusstsein ein, das Vodka mehr ist, als nur klarer Neutralalkohol. Vodka kann ein Genuss sein!
Es ist nicht ungewöhnlich, dass der erste Kontakt mit Vodka in Form eines eisgekühlten Getränkes oder in einem Cocktail geschieht. Ist Vodka zu kalt, werden beim Trinken unsere Geschmacks- und Geruchsnerven betäubt und alles riecht und schmeckt fast gleich. Und im Cocktail gibt sich der Barkeeper zusätzlich alle Mühe, ihn hinter allerlei Zutaten zu verstecken. Neutraler Alkohollieferant soll er sein, mehr nicht. Doch das ist nicht alles. Die Ursprünge des Vodkas liegen bis heute im Dunkeln. Man weiss heute, dass schon seit dem 14. und 15. Jahrhundert sowohl Russen als auch Polen behaupten, Ursprungsländer zu sein, aber die wahre Geschichte ist, wie fast immer, national eingefärbt und dem neutralen Betrachter bleibt wenig Objektives.
Richtig ist, dass «Vodka» aus dem Russischen übersetzt «kleines Wässerchen» bedeutet und er heute fast überall auf der Welt hergestellt wird. Ausgangstoffe sind (fast) alle vergärbaren organischen Materialien wie Getreide, Kartoffel oder Melasse, dazu kommt Hefe, Wasser und eine Destillationsanlage. Fertig. Reifung gibt es offiziell nicht, Lagerung nur selten.
Weizen, Gerste, Roggen oder Kartoffeln, Trauben, Melasse?
In den Heimatländern des Vodkas, Polen, Russland, Schweden oder Finnland, war der Anspruch an Vodka immer ein anderer. Die Spirituose sollte gleichzeitig ein sehr feines Destillat sein und doch den Charakter ihres Getreides zeigen: Weizen in Schweden und Russland, Gerste in Finnland und Roggen in Polen. Hier sind schon die ersten Unterschiede zu finden: Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste unterscheiden sich in ihrem Geschmack schon deutlich, wenngleich fein. Kartoffeln, Trauben und
Melasse sogar noch mehr.
Die Wasserqualität der einzelnen Herstellungsorte ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt, schon während der Herstellung als auch am Ende, zur Verdünnung auf Trinkstärke. Immerhin sind ca. 60 % des Flascheninhaltes Wasser. All das kommt also zusammen, wenn man von einem sehr guten Vodka spricht, der nicht nur im Cocktail, sondern auch pur einen Genuss darstellt.
Schaut man sich das Etikett auf einer Vodkaflasche an findet man oft einen ersten Hinweis auf die Zusammensetzung der jeweiligen Marke: Made of 100 % Rye ist zum Beispiel auf vielen polnischen Vodkas vermerkt, Made of 100 % Grain oder Grain Neutral Spirit findet sich auf vielen russischen oder osteuropäischen, ja sogar mongolischen Vodkas auf dem Etikett. Finnischer Vodka wirbt mit seiner verwendeten Gerste, schwedischer Vodka mit dem Winterweizen und einige französische Sorten bewerben, neben Weizen, die Traube als Grundmaterial.
Filtration immer wichtiger
Immer häufiger taucht heute auf den Etiketten der Begriff «gefiltert» oder «gereinigt» auf. Aktivkohle, oftmals viele Tonnen, Sandbettfilter, sogar Milch und viele andere Reinigungsarten sollen dem Destillat zur ultimativen Reinigung, aber auch zu einem gewissen Charakter verhelfen. Diese Reinigungs- und Filtrationsarten spielen in der heutigen Vodkaproduktion und damit auch im Marketing der Brands eine...
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